Cynthias musikalischer Jahresrückblick 2021

2021 ist wie… 2020 nur in noch bescheidener. So könnte man das Ganze grob zusammenfassen. Dieses Jahr hatte ich so oft das Bedürfnis einfach nur schreiend im Kreis zu laufen wie echt lange nicht mehr. Ich will einfach langsam nicht mehr. Ich bin wütend, müde und einfach ausgelaugt. Dabei habe ich es ja im Gegensatz zu vielen anderen noch gut: Ich sitze bequem im Home Office, meine Bezüge kommen regelmäßig und pünktlich auf mein Konto, ich habe ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Dennoch hat mich so viel aufgeregt in diesem Jahr.

„Ich habe grundsätzlich nicht viele Wünsche, hier ist jedoch einer, der mir Momentan einfach nur auf den Nägeln brennt: Bitte lass die Politik zur Vernunft kommen. In mehreren Punkten, die ich teilweise schon Eingangs erwähnt habe besteht so viel Nachbesserungsbedarf – da muss einfach was passieren.“

Das fängt damit an, dass man trotz Impfung Corona immer noch nicht im Griff hat, weil es ein paar Vollpfosten gibt, die sich nach wie vor aus teils haarsträubenden Gründen nicht impfen lassen wollen über eine Bundestagswahl, bei der man sich zwischen Pest und Cholera entscheiden musste und am Ende irgendwie doch nur Murks raus kam und endete bei einem Ergebnis der Tarifverhandlung für die Pflegekräfte der Länder, bei dem sie vielleicht ein bisschen Nestwärme durch die Reibung mit der sie über den Tisch gewogen wurden fühlen können. Ich kann einfach nicht oft genug sagen, wie Dankbar wir ALLE dafür sein sollten, dass es Menschen gibt, die uns pflegen wenn wir krank sind – und dass das eben NICHT selbstverständlich ist und wir diese Menschen vernünftig bezahlen müssen. Das ist das Mindeste an Wertschätzung, was wir tun können. Denkt bitte einfach mal darüber nach, dass hier Menschen seit fast zwei Jahren täglich am Limit arbeiten und sich teilweise auch noch beleidigen lassen müssen, weil Erna im Krankenhaus mal ein paar Minuten länger warten muss als sonst!

Sorry, aber das musste raus. Jetzt wo mein Puls sich gerade wieder auf Normalniveau einpendelt, kann ich zu meinen musikalischen Highlights in diesem Verrückten Jahr kommen:

Meine Lieblingsalben 2021

Ich spare mir hier mal ein Ranking – es war dieses Jahr tatsächlich unglaublich schwierig, mich überhaupt auf fünf Stück festzulegen. Dadurch, dass es nicht so viele Konzerte gab, habe ich mich viel mehr auf neue Musik gestürzt, als ich es sonst tue.

Zoodrake – Seven

Der liebe Hilton hat nach dem Debüt dieses Jahr direkt mit dem zweiten Silberling nachgelegt. Die Platte hat eine Weile gebraucht, bis sie komplett durch gezündet hat, aber seitdem höre ich sie in jeder Lebenslage. Deutlich böser als das Debüt, schön abwechslungsreich – ich habe hier wirklich rein gar nichts zu meckern.

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We Butter the Bread with Butter – Das Album

Meine Wiederentdeckung für 2021. Alter – wie geil ist das denn bitte? Wie kann man alles musikalische was da so kreucht und fleucht mit einer Platte so herrlich durch den Kakao ziehen mit Songs, die man nie wieder aus den Kopf bekommt? Es vergeht kein einziger Tag seit dem Release, an dem ich nicht mindestens einmal “Jump`n`run” höre. Ich will bitte mehr davon.

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Solar Fake – Enjoy Dystopia

Die Jungs liefern einfach ab. Das wird auch bei der “Enjoy Dystopia” klar. Direkt vom ersten Song an fühlt man sich abgeholt. Ich für meinen Teil kann mich an dem Album einfach nicht satt hören und erwische mich immer wieder dabei, ”It‘s Who You Are” und “At Least We‘ll Forget” vor mich hin zu summen.

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Planlos – s/t

Planlos sind zurück. JAAAAA (Fangirl Gekreische hier einfügen). Und dann auch noch mit so einer geilen Scheibe.Wie ich in meiner Rezension schon geschrieben habe: Das ist kein Comeback (nur) des Geldes wegen, so viel ist auf jeden Fall klar. Immer noch geradlinig, immer noch Punk, immer noch unverkennbar Planlos. Wenn ich jetzt endlich auch noch die Chance bekomme, die Jungs live zu sehen, kann ich glücklich sterben.

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Scooter – God save the Rave

Uh. Scooter in meinen Top 5? Wie kann denn sowas passieren? Eigentlich ist die Antwort so einfach wie dumm: Das ich beim Autofahren gern äußerst komische Musik höre, sollten diejenigen, die mich kennen, ja gewöhnt sein. Dass das normalerweise auch gern mal Techno/Trance ist auch. Nun, wenn man dann auch noch mehr oder weniger durch Zufall mitbekommt, dass Scooter eine neue Scheibe auf den Markt gebracht haben läuft diese schnell mal auf ner Autofahrt. Dass sich sehr viele Songs, z.B. “FCK 2020” gerade einfach irgendwie wunderbar an meine Stimmung anpassen und dann einfach Ohr hängen bleiben, tut dann sein übriges. Ich mag Scooter. Manchmal muss es einfach stumpf und simpel sein, gerade wenn man eh schon einen Knoten im Gehirn hat bei dem ganzen Chaos um einen herum.

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Knapp verpasst aber trotzdem erwähnenswert:

The Joke Jay – Awaken: Was lange währt wird wirklich gut!
Antiheld – Disturbia: Ein sehr persönliches Album, was unter die Haut geht.
The Offspring – Let the Bad times roll: Einmal wieder 16 sein.

Meine Lieblingsshows 2021

Live Musik setzte eine Menge an Emotionen frei. Das habe ich dieses Jahr nach gut 9 Monaten Abstinenz wieder erleben dürfen. Vielleicht war ich die Jahre zuvor einfach “übersättigt” von der Vielzahl der Shows, dass ich jede einzelne gar nicht so zu würdigen wusste, wie es jede einzelne nunmal verdient hat. Dieses Jahr bin ich wirklich nach jeder Show mit einem fetten Grinsen im Gesicht nach Hause gefahren. Musik ist systemrelevant – zumindest für mich. Auch hier wieder ohne Ranking – jede Show war auf ihre Weise besonders.

Montreal & Kapelle Petra – Kommraus Ricklinger Bad

Montreal Shows sind ein Garant für gute Stimmung und das ist einer der Gründe, warum sie seit 2019 regelmäßig in meinen Top Shows auftauchen. Kapelle Petra dazu gab dann nochmal einen Bonus an guter Laune und Party pur.

Montreal und Kapelle Petra live in Hannover

Terrorgruppe, Akne Kid Joe und Shirley Holmes live in Hannover

Die letzte Terrorgruppen Show, die ich vermutlich sehen werde. Dabei war die Band mit der erste Punk, den ich gehört habe und auch wenn ich sie in den letzten Jahren weniger gehört habe: Sie waren immer irgendwie da. Das hab ich dann auch daran gemerkt, dass ich nach all den Jahren immer noch die meisten Songs problemlos mitsingen kann. Hach, das war schon eine schöne Party im Capitol.

Terrorgruppe, Akne Kid Joe und Shirley Holmes live in Hannover

Antiheld live in Hannover

Ich mag die Jungs von Antiheld. Sie sind mir einfach unglaublich sympathisch und es macht unglaublich viel Spass, sich die Truppe live reinzuziehen auch wenn die Songs teilweise harter Tobak sind. So kann man diesen Abend als sehr kurzweilig und wunderbar unterhaltsam bezeichnen.

Antiheld live in Hannover

Diorama und Zoodrake im Zirkus Probst in Gelsenkirchen / Konzertsommer im Revier

Bis kurz vor knapp stand nicht fest, ob ich zu diesem Konzert fahre oder nicht. Im Nachhinein betrachtet bin ich unglaublich froh und dankbar, dass es dann doch geklappt hat, denn hier haben zwei absolut großartige Bands (fast) alles bisher im Rahmen dieser Eventreihe dagewesene in den Schatten gestellt. Ein Wechselbad der Gefühle moderiert von zwei absoluten Rampensau Front Männern – ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich dran denke.

Für die Besten Gäste der Welt: Frozen Plasma, In Strict Confidence, Rroyce und Beyond Border im Kulttempel in Oberhausen

Peter, bekannt als der Inhaber des Kulttempel in Oberhausen, hat diesen Abend für alle, die während der letzten Zeit treu zu ihrem zweiten Wohnzimmer gehalten haben kostenlos veranstaltet. Das ist eigentlich schon Grund genug für einen Platz auf dem Treppchen. Nur haben die Bands dem Ganzen nochmal die Krone aufgesetzt und den Temple zum kochen gebracht. Es fühlte sich surreal an wieder ohne Maske in einem vollen Club ausgelassen zu feiern, aber es tat so unglaublich gut. Eins der ersten Konzerte ohne Masken und Abstand, so wie aus fast vergessenen Zeiten. Auch hier kochten die Emotionen über. Es war ein rauschendes Fest und ich hoffe so sehr, dass wir das bald wieder haben können.

Meine Neuentdeckung 2021

Um neue Bands für mich zu entdecken brauche ich Konzerte oder Festivals. Umso schöner, dass es in diesem Jahr wenigstens ein paar gab. Auf der “Special Edition” des Autum Moon in Asendorf hatten wir grad etwas zu Essen bestellt und ich wollte vorher nochmal den bereits genossenen Met weg bringen, als ich es aus der Halle des Kulturhauses Bo ordentlich scheppern hörte. Als ich die Tür zu selbigem öffnete, zog es mir fast die Schuhe aus: Was ein Brett von Sound! Ich musste mir glatt ein Tränchen verdrücken, so froh war ich über dieses Erlebnis. Also ganz schnell das Essen runterschlingen und ab auf die Tanzfläche. Das ich eigentlich auf der anderen Bühne eine Band fotografieren wollte war erstmal vergessen – ich könnte mich nicht von dieser “Wall of Sound” losreißen. Noch nach dem Gig stand ich wie verdattert auf meinem Platz und musste erstmal verdauen, was da grad passiert ist. McCOY´s S.U.N. PROJECT – ein Name, den man sich merken sollte wenn man einfach mal alles um sich herum vergessen will.

2021 ganz es auch eine wieder Entdeckung: We Butter the Bread with Butter. Lange waren sie von meinem Radar verschwunden bis “Das Album” sie in diesem Jahr wieder zurück in meine Playlist brachte.

Worauf ich mich 2022 freue

Ich will wieder Sommer Festivals. Ich brauche wieder Sommer Festivals. Es ist schwer zu beschreiben wie sehr mir der morgendliche Vodka E zum wachwerden, die Campingplatz Partys, meine Lieblings-Grabenschlampen, meine Foto Kollegen, nachts mit ordentlich Atü aufm Kessel zurück ins Camp laufen und vollständig angezogen im Vorzelt einschlafen fehlen. Ich vermisse diese ganz besondere Stimmung, die es nur auf Sommerfestivals gibt.

Bitte bitte lass 2022 wieder welche stattfinden.

Ich habe grundsätzlich nicht viele Wünsche, hier ist jedoch einer, der mir Momentan einfach nur auf den Nägeln brennt: Bitte lass die Politik zur Vernunft kommen. In mehreren Punkten, die ich teilweise schon Eingangs erwähnt habe besteht so viel Nachbesserungsbedarf – da muss einfach was passieren.

Meine leise Hoffnung ist ja, dass wir mit Solidarität und Menschlichkeit einen Weg aus diesem Pandemie Tal finden und endlich wieder normal leben können.