Terrorgruppe, Akne Kid Joe und Shirley Holmes live in Hannover

Foto: Cynthia Theisinger

Konzerte nehmen derzeit ja wieder Fahrt auf, in der Regel unter 2G-Bedingungen. Das ist gut und richtig, auf der anderen Seite bleibt unter dem Eindruck dramatisch steigender Infektionszahlen irgendwie ein mulmiges Gefühl. Am Donnerstag, den 11. November sollte dies aber gut 500 Leute nicht davon abhalten, im Capitol in Hannover der Abschiedstournee der Terrorgruppe beizuwohnen. Diese sollte bereits im Vorjahr stattfinden und nun kann endlich der Abschied mit Fans und Freunden gebührend gefeiert werden. Und die Stimmung an diesem Abend ist ausgelassen, aber auch ein bisschen wehmütig.

„Wieder einmal hat die Terrorgruppe also alle Register gezogen und für einen kurzweiligen tollen Punkrockabend gesorgt.“

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„Klamottenwechsel“ auf der Bühne

Den Auftakt machen pünktlich um 20.00 Uhr Shirley Holmes. Das Trio aus Berlin bestehend aus Gitarristin Mel, Bassistin Miss Ziggy und Drummer Chris spielt schnellen und rotzigen Neo-Punkrock, unterlegt mit einigen Riot-Grrrl-Anleihen und diversen Synthesizer-Melodien. Trotz eines doch eher unterirdischen Sounds macht die Band richtig Spaß und so dauert es nicht lange, bis der Funke auch überspringt. Im Gepäck haben Shirley Holmes dabei ihr aktuelles Album „Die Krone der Erschöpfung“. Und natürlich gibt es davon auch einiges Songs zu hören. Vor einem weiteren Lied werden kurz die „Klamotten gewechselt“ wie es so schön heißt. Miss Ziggy und Mel tauschen die Instrumente, dann geht es wieder. Am liebsten würde die Band auch noch so 3 bis 4 Stunden spielen, wie Mel verrät, doch nach gut 30 Minuten ist dann Schluss. Starker Auftakt und vor allem die Spielfreude, die Shirley Holmes hier demonstriert haben, war wirklich Klasse.

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Antifa-Tarifvertrag

Gegen 21.00 Uhr sind dann Akne Kid Joe an der Reihe. Es ist noch gar nicht lange her, da waren die Musiker:innen aus Nürnberg mit ihrem deutschsprachigen Punkrock als Headliner zu Gast auf der Komm-Raus-Bühne im Ricklinger Bad. Nun tourt man mit der Terrorgruppe zusammen durch die Republik und hat durchaus an Bekanntheit gewonnen. Viele der Anwesenden zeigen sich textsicher und auch vor der Bühne wird es nun deutlich voller, auch die ersten Tanzbeine werden geschwungen. Die inhaltlich starken, sozial- und gesellschaftskritischen Texte kommen halt an in diesen Zeiten. Nach einem kurzen Glockenspiel und einem folgenden Metal-Intro geht es dann los.

Auch bei Akne Kid Joe lässt der Sound zu wünschen zu übrig, der ausgelassenen Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Die Setlist besteht vor allem aus Songs vom neuen Album „Die Jungs Von AKJ“ (Albumreview) und dessen Vorgänger „Die Große Palmöllüge“ (Albumreview). Und so werden Songs wie „Sarah“, „Die zündende Idee“, „Südostasien“ oder „Pizza Napoletana“ zum Besten gegeben. Auch die Nürnberger:innen haben mächtig Spaß und so steht der Party nichts im Wege. Schließlich folgen noch u.a. das starke „What AfD Thinks We Do…“, eine ironische Abrechnung mit den Lügen der rechtspopulistischen Partei und angeblich ausgestellten Antifa-Tarifverträgen für Demonstranten sowie „Kartoffel“, dann ist nach 45 Minuten auch das Set von Akne Kid Joe vorüber.

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Nostalgie und Wehmut

Um 22.11 Uhr fällt schließlich der Startschuss des wohl letzten Terrorgruppe-Konzerts in Hannover. MC Motherfucker kommt wie fast immer im roten Kleid mit weißen Punkten auf die Bühne. „Nazis im Haus“ ist dann der Opener und die Anwesenden in Hannover nutzen direkt die Gelegenheit, um noch ein letztes Mal in dieser Stadt auf einem Terrorgruppe-Konzert zu tanzen und richtig abzugehen. Und die hervorragend gewählte Setlist hilft dabei. Insgesamt knapp 25 Songs werden gespielt, All Killer – No Filler. Es folgen nämlich „Leider nur ein Traum“ und „Gestorben auf dem Weg zur Arbeit“. Es zeigt sich schnell, so viele Ansagen wird es heute nicht geben. In der Vergangenheit wurde auch immer viel erzählt, doch dies fällt heute kürzer aus. Dafür gibt es musikalisch etwas auf die Ohren wie „Die Gesellschaft“, „Tresenlied“ oder „Kathedralen“.

Bei „Allein gegen Alle“ heißt es ja, „ihr seid die Masse und ich bin allein“, was auch in Hannover lautstark mitgesungen wird. MC Motherfucker nutzt dies in einer kurzen Pause, um darauf hinzuweisen, dass wir alle ja gar nicht so allein wären, denn wir seien ja alle seine Kinder und MC Motherfucker beschütze uns. Was für eine schöne aber gleichzeitig auch befremdliche Vorstellung. Auf die Frage „Seid Ihr gut drauf?“ von Johnny Bottrop, gibt es nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit „Fick Dich Du Arschloch und spiel Gitarre“ auch die richtige und laute Antwort. Und MC Motherfucker merkt wenig später an, wie anstrengend so ein Konzert über 50 mittlerweile doch sei.

Tschüssikowski Terrorgruppe

Trotz hervorragender Stimmung, irgendwie schwingt den ganzen Abend ein bisschen Wehmut und Nostalgie mit. Das ändert sich auch durch die weiteren Songs wie „Schmetterling“, „Keine Airbags für die CSU“, „Ich bin ein Punk“, „Sabine“ oder „Sozialer Misserfolg nicht. Im Gegenteil, denn langsam wird den Zuschauer:innen wohl erst richtig bewusst, dass dies hier das letzte Konzert der Terrorgruppe ist, was die Leute sich in Hannover anschauen können. Musikalisch setzen Terrorgruppe noch weitere Highlights, denn natürlich dürfen auf der Abschiedstour auch „Namen Vergessen“, „Opa“ und „Schöner Strand“ nicht fehlen. Dann ist der erste Part auch schon vorüber, aber natürlich lassen sich die vier Herrschaften aus Berlin nicht lange bitte und spielen mit „Hurra die Welt geht unter“, Skateboard“ und „Wir müssen raus“ noch drei letzte Zugaben und verabschieden sich dann mit einem großen „Tschüssikowski“-Banner von Hannover.

Wieder einmal hat die Terrorgruppe also alle Register gezogen und für einen kurzweiligen tollen Punkrockabend gesorgt. Irgendwie mag man gar nicht glauben, dass es das nun war und es keine weiteren Konzerte dieser tollen Band in Hannover und bald überall geben wird. Und dennoch, dieses Konzert hat dafür gesorgt, dass alle Anwesenden die Terrorgruppe immer als großartige Deutschpunkband im Gedächtnis behalten werden. Tschüssikowski Terrorgruppe, macht es gut, ihr werdet uns fehlen!

Bildergalerie: Terrorgruppe