Destination Anywhere, The Tips und Blaufuchs in Hannover 18.Oktober 2018, LUX

Destination Anywhere Lux Hannover
Foto: Maria Graul

Destination Anywhere und The Tips laden zu einem echten Punkrockfest. Als lokalen Support holt sich das Zweiergespann die regionale Band Blaufuchs aus Hildesheim mit in Lux nach Hannover.

Ein heißer Abend voller Punk und Ska und Explosionsgefahr

Wenn drei Bands spielen beginnt der Konzertabend früh und endet spät – was ein Glück! Das finden auch die Punkrocker Blaufuchs aus Hildesheim. Deshalb beginnen sie auch schon 19.30 Uhr: “Heute ist ein schöner Tag und wir freuen uns, dass wir hier heute spielen dürfen”. Im Laufe ihrer Setlist bekommt man einen Vorgeschmack auf die Songs die nächstes Jahr auf Platte erscheinen werden. Besonders stechen die Lieder “Kein Licht” und “Fischer” hervor.
Der Song “Wo du herkommst” verdient aber besondere Aufmerksamkeit, denn er befasst sich mit dem aktuell wichtigen Thema Rassismus. Auch die Band ZSK wurde darauf aufmerksam und packte diesen Song daraufhin auf ihre Spotify-Playliste. “Das ist nämlich auch der Song, weswegen wir hier sein dürfen”, berichtet der Sänger dem Publikum.

„Seid ihr denn jetzt schon heiß?“

Die aus Düsseldorf angereisten The Tips beginnen um 20.20 Uhr mit ihrem Set und das Publikum ist sofort ordentlich am Tanzen. Sänger Faf bittet relativ schnell auch das Publikum um Hilfe. “Ich würde ja gern Bier trinken, nur müsst ihr dann den Bass für mich spielen. Wie machen wir das denn?” Daraufhin animiert er das Publikum mitzusingen. Die Stimmung ist dadurch gleich nochmal ordentlich angeheizt. Weiter geht es aber schonungslos: “Seid ihr denn jetzt schon heiß? Wir haben jetzt einen smoothie schmusigen Song für euch. Da kann man sich auch mal umarmen. Sich umarmen. Oder den Nebenmann oder die Nebenfrau.”

Bei einem späteren Lied tauschen Bassist und Schlagzeuger fast unentdeckt die Rollen. Das fällt fast überhaupt nicht auf, weil sich Schlagzeuger J einen Bart anklebt, der dem von Faf doch täuschend ähnlich sieht. Als Faf wieder zurück am Mikro ist „gibt es einen Rap aufs Haus, ich geb jetzt einen aus, mein Bier ist ziemlich kalt, Stefan ist ziemlich alt und nun gehen mir die Reime aus“. Nach einem schönen Stündchen ist es aber nun auch schon Zeit für Destination Anywhere.

“Wir haben eure Chefs angerufen – ihr müsst morgen nicht kommen”

21.30 Uhr und es geht sofort laut und mit guter Stimmung bei Destination Anywhere los. Das Walross Walter, welches das Cover des aktuellen Albums „Bomben“ ziert, mischt sich unter die Leute und tanzt zusammen mit den Fans in der ersten Reihe. Zu acht ist es auf der kleinen Bühne des Lux Club ordentlich muckelig, aber schön sieht das Oktett in seinen schwarzen Hemden, Hosen und weißen Krawattenb aus.

Posaunist Simon beweist sein können am Mikro beim Song “Komm, hör doch auf”. Sänger David begrüßt das Hannoveraner Publikum und bestimmt nach dem Kassierer-Cover “Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, dass heute nicht Donnerstag sondern Samstag ist. Denn erstens feiert das Publikum schon so, als wäre es Samstag und zweitens: “Wir haben eure Chefs angerufen. Ihr müsst morgen nicht kommen. Alles okay haben sie gesagt, ihr müsst nur ordentlich ausrasten!” David gibt sein Bestes um die Stimmung hoch zu halten. Er teilt das Publikum in zwei Hälften, welche immer abwechselnd auf Aufforderung die Arme hochreißen sollen.

“Ich weiß, dass ihr hier alle gute Menschen seid, aber da draußen gibt es anscheinend Menschen die nicht wissen, dass es einfach keinen Platz für Rassismus, Sexismus, Faschismus und Homophobie gibt.“

In zwölfjähriger Bandgeschichte haben es die Ska-Punks nicht ein Mal bisher nach Hannover geschafft. “Welch ein schönes Erstes Mal”, zieht David schon als Zwischenresümee.
Der nächste Song “Warten auf Godot” soll mit einem perfekten Rockstar-Moment für die Band eingeleitet werden. Das Publikum soll ausrasten, so, „als würde Kurt Cobain zurück auf die Bühne kommen”.

Dem Publikum wird auch noch der neue Trompeter vorgestellt: “Wir sind neun Tage auf Tour – das ist schon für uns Erwachsene hart, aber wie muss das für einen Zwölfjährigen sein? Das ist übrigens Pukki, unser Neuer an der Trompete”. Der nächste Song wird erst so eingeleitet, als würde er eine wichtige Botschaft enthalten: “Dieses Gefühl, wir spielen in Hannover und die Leute singen unsere Texte mit. Aber manchmal müssen wir auch die Worte anderer Künstler singen. Denn manchmal finden andere Künstler einfach die richtigen Worte”. Es geht um den Song “Saufen”.

Kein Platz für Rassismus, Sexismus, Faschismus und Homophobie auf dieser Welt

Doch auch eine Partyband wie Destination Anywhere findet in der heutigen politisch angespannten Welt ernste Worte: “Ich weiß, dass ihr hier alle gute Menschen seid, aber da draußen gibt es anscheinend Menschen die nicht wissen, dass es einfach keinen Platz für Rassismus, Sexismus, Faschismus und Homophobie gibt. Deswegen Leute, geht da raus und sagt es ihnen. Nehmt Sticker vom Merch-Stand mit und streut das in die Welt”.

Kurz vor 22.30 Uhr verabschiedet sich die Band mit den Worten “Wir waren Destination Anywhere und wir wünschen euch noch den schönsten Donnerstag eures Lebens, vielen Dank, dass ihr da gewesen seid und bis zum nächsten Mal!” Danke Destination Anywhere – war bombe!

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