Nach dem unglaublich guten ersten Tag vom Fährmannsfest folgt Tag 2, erneut bei bestem Wetter, Heute sind Betontod, Rantanplan, Der Butterwegge, Alarmsignal, The Meffs und Kettenfett an Reihe. Im Gegensatz zum Vortag ist es heute nicht ganz so überfüllt, knapp 2500 Besucher freuen sich auf Punk und dennoch ist von Beginn an alles für einen weiteren großartigen Fährmannsfest-Tag angerichtet.
Auftrag Aufwärmen!
Am Samstag starten Kettenfett mit ihrem Stoner Punk gegen 15:00 Uhr und auch heute sind schon viele Besucher da und beehren das Duo aus Hannover mit ihrer Anwesenheit. Der Sound ist gut, die Stimmung von Beginn auch und so liefern Kettenfett gut ab, wie man im Anschluss von vielen Leuten hört. Wir starten den Samstag aber erst mit The Meffs, die als nächstes an der Reihe sind. Das Duo aus Essex in Großbritannien steht für eine neue Art des Punks, rau, laut und voller Energie, die vor allem live extrem gut ankommt, wie der Auftritt beweist. Knapp 40 Minuten hauen Lilly und Drummer Lewis alles raus. Musikalisch gibt es mit „Business“ bereits einen ersten Appetithappen vom neuen gleichnamigen Album, dass im Herbst erscheint. Es werden aber auch ältere Hits gespielt, wie „Disorder“, dem The Prodigy-Cover „Breathe“ und „Broken Britain, Broken Brains“. Lilly geht zwischendurch ins Publikum und lässt einen Circlepit um sich starten, während sie weiterspielt. Laut ihrer Aussage ist es die Aufgabe von The Meffs, das Publikum in allen Belangen anzuheizen und auf die weiteren Bands vorzubereiten. Bei der Stimmung und der Resonanz sowie dem lautstarken Applaus kann man am Ender der Show nur sagen: Auftrag komplett übererfüllt! Live sind The Meffs ein echter Hingucker und mehr als nur ein Geheimtipp!
Muskelfaseriss und die fehlende Frauenquote
Nun sind Alarmsignal dran. Gitarrist Bulli bestreitet das Konzert allerdings nur im Sitzen, da er sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat. „War es nicht letzte Woche noch das andere Bein“, fragt Gitarrist Tom ihn dann scherzhaft. Die Band aus Celle hat sichtlich gute Laune und punktet mit Spielfluss und Spielfreude. Viel mehr gibt das Quartett ordentlich Gas und präsentiert dabei u.a. Songs wie „Labyrinthe aus Beton“, Scherbe/Licht“, „Ich hoffe, Du findest was Du suchst“, „Kein Vaterland“ oder „Huso-Level“, den Sänger Steff allen Arschlöchern innerhalb und außerhalb der Szene widmet. Gleichzeitig betont er unüberhörbar, dass es immer noch zu wenig Frauen auf die Bühne schaffen und Festivals weiterhin vermehrt Pimmelbands buchen. Kurz darauf gibt es bei den Männern von Alarmsignal unterstützung von Steffs Tochter Lara auf die Bühne, die sonst am Merchandisestand unterstützt. Gemeinsam perfeormen die beiden den Song „Kompass und Chauffeur“, der sich dem Thema Depressionen widmet und all jenen Kraft geben soll, die darunter leiden. Mit dem Band Ohne Anspruch-Cover „Gott sei Punk“, „Wir leben immer noch“, „Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ und „Brennende Barrikaden“ endet dann ein kurzweiliges, gutes Set, dass voller wichtiger Aussagen und Botschaften steckt und gleichzeitig sehr gut beim Publikum ankommt.

Retter der Demokratie
Der Butterwegge steht für deutschen Skapunk, gute Laune und feínste Party. Um es vorwegzunehmen, dieser Auftritt gehört zusammen mit The Mefffs zu den absoluten Höhepunkten. Den Auftakt macht „Butterbande“. Dann folgen u.a. „Bier und Pommes“ und „Kein Bock“. Dazu meint der Sänger: „Wenn Ihr mal ein Bier aufmacht, dann komm ich rum, dann bin ich dabei. Beim Umzug eher weniger.“ Die Band aus Pott macht wirklich Spaß und sorgt für viele Lacher. Aber es werden auch ernste Themen angesprochen, die in den Songs „Wurzel allen Übels“, „Scheiße bleibt Scheiße“ oder „1933Grad“ gipfeln. „Es ist kaum zu glauben, dass wir Linken mal wieder die Demokratie retten müssen“, sagt Butterwegge dazu. Es folgen „Hey Butterwegge“- und „Nazis Raus“ -Rufe. Der Butterwegge, zwischen Witz, Spaß und Ernsthaftigkeit, ist ein echter Gewinn und live eine echte Offenbarung. Richtig gut. Zum Abschluss werden noch „Der Osten bleibt stabil“ sowie „Die Welt ist am Arsch“ gespielt, als Zugabe folgen noch „Farbe egal“ und „Tanzende Punks“. Zum Abschluss sagt der Sänger: „Hört nie auf zu tanzen und Punkrock zu sein.“ Ein besseres Schlusswort für diesen tollen Auftritt gibt es nicht.
Kinder an die Macht
Die Hamburger von Rantanplan sind nun als Co-Headliner an der Reihe. Und auch sie profitieren von der guten Stimmung und dem guten Wetter. Auch hier wird viel getanzt und gepogt. Die Setlist besteht u.a. aus „Stay Rudel, Stay Rebel“, „Ahoi“, „Fegefeuer“, „Commandante“ oder „Revolution“. Doch wenn diese nicht tanzbar ist, sind wie nicht dabei, meint Sänger Torben dazu. Später redet er sich ein wenig in Rage, als der Song „Kids“ angesagt wird: „Kinder sind das Gold der Erde, und sie werden falsch behandelt. Wir müssen uns dagegen und vieles mehr wehren.“ Das kommt gut an, wie das ganze Set der Skapunker, die mal zum Knien, mal zum Springen animieren und trotz recht düsterer und melancholischer Texte für viele fröhliche Gesichter sorgen. Zum Ende hin werden u.a. noch „Wir sind nicht die Onkelz“, „Schattenmensch“, das Funny van Dannen-Cover „Das unbekannte Pferd“ oder „St. Pauli“ gespielt. Auch Rantanplan sorgen so dafür, dass dieses Fährmannsfest immer mehr in die Annalen eingeht. Stark!

Hannover war immer gut zu uns
Und dann sind nur noch Betontod übrig, die als Headliner 90 Minuten lang noch einmal alles geben und Hannover richtig mitreißen. Ihr Deutschpunk aus Partysongs, Durchalteliedern und Trinkhmynen kommt bei einem Großteil der Besucher gut an. Dazu zählen heute Abend u.a. „Das Kapital“, „Totenkopf“, „Keine Popsongs“, „Schwarzes Blut“ oder „Kinder des Zorns“. Zwischendurch werden Gassen gebildet, man kniet, tanzt Pogo und springt und springt noch viel mehr. Was eine Show, was eine Stimmung. Immer wieder werden Bengalos gezündet, dann werden Fahnen verteilt und geschwenkt. „Hannover war immer gut zu uns, wie heute, danke dafür“ sagt Sänger Meister. „Ich nehm dich mit“, „Nie mehr St. Pauli“ ohne dich“, „Herz an Herz“, „Bambule und Randale“ und „Glück auf!“ sind weitere Songs, die an diesem Abend nicht fehlen dürfen. Gitarrist Eule betont dann noch einmal, wie wichtig es ist, gegen Nazis zu sein und dieses auch immer wieder auszusprechen, auch wenn man glaubt, man muss es eigentlich nicht mehr sagen. „Nazis sind Kacke“, hält der Gitarrist zum Abschluss fest. Eule. Dann folgen noch „VIVA Punk“, „Wind“ und als Schlusspunkt die Hymne „Traum von Freiheit“. Dann entlassen die Rheinberger das Publikum in die Nacht und beenden auch den zweiten Tag des Fährmannsfests 2026. Und das war ein richtig tolles, denn Wetter, Stimmung, Line-Up, alles hat gepasst. Wir freuen uns schon jetzt auf die Fortsetzung 2027!










