Fjørt und Yellowknife in Bremen 26. Januar 2019, Schlachthof

    Fjørt am 26.01.2019 live im Schlachthof in Bremen
    Foto: Felix Tilinski

    Fjørt sind wohl zurzeit eine der gefragtesten deutschen Bands, was auch niemanden nach dem wunderbaren und von allen hochgelobten Album „Couleur“ verwundern dürfte. Grund genug, dies auf einer ausgedehnten Tour zu zelebrieren. Heute macht das Aachener Trio im Schlachthof Bremen halt und hat einen ganz besonderen Support-Act für diese Show mitgebracht… aber dazu gleich mehr.

    Von wegen kühle nordische Mentalität!

    Pünktlich zum Einlass ist schon einiges los im Schlachthaus. Hier und da tummeln sich bereits große Grüppchen und checken das Merch-Angebot aus oder genehmigen sich das ein oder andere Kaltgetränk an der Bar. Es gab wohl auch nur noch ganz wenige Restkarten für den heutigen Abend, weswegen es tatsächlich auch recht schnell immer voller wird, je mehr wir in Richtung Konzertbeginn schielen.

    „Hallo Bremen. Schön, dass Ihr hier seid“

    Pünktlich um 20.00 Uhr betreten dann auch die Jungs um Tobias Mösch die Bühne, um den heutigen Abend zu eröffnen. Einige denken jetzt bestimmt: „Hmmm… Tobias Mösch? Der Name sagt mir doch was! Genau: Ashes of Pompeii!“ Und ganz genau: Niemand anderes als genau der Tobias Mösch steht heute auf der Bühne, aber nicht mit Ashes Of Pompeii, sondern mit seinem 2013 gegründeten Projekt Yellowknife. Vor kurzem erschien das neue Album namens „Retain“ und Tobias und seine Jungs sind sichtlich glücklich, das Album in solch‘ großer Runde präsentieren zu dürfen. Los geht’s direkt mit „In Basements“ und der leichte Emo-Rock mit Indie-Note kommt direkt sehr gut beim Publikum an. Es wird getanzt, gefeiert und auch hier und da mitgesungen. Man ist also augenscheinlich nicht nur wegen Fjørt hier.

    Yellowknife

    Auch Songs wie „A Saturday“, „Coming Of Age“ oder „Veneer“ werden ordentlich vom Publikum abgefeiert. Von wegen kühle nordische Mentalität! Bremen ist heute definitiv in großer Feierlaune, was natürlich vor allem Yellowknife während ihres Sets immer wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Nach gut 30 Minuten beenden Yellowknife ihr Set und werden unter großem Beifall in den wohlverdienten Feierabend geschickt. Ein wunderbarer Einstand für den Abend!

    Die Umbaupause wird genutzt, um noch einmal den Flüssigkeitshaushalt auf Vordermann zu bringen oder draußen vor dem Schlachthaus eine zu rauchen, denn gleich kommen die Headliner des heutigen Abends auf die Bühne… und es verspricht ein schweißtreibender Ritt zu werden.

    „Leck mich am Arsch. Ist das geil!“

    Bevor Fjørt die Bühne entern, ist die Atmosphäre buchstäblich elektrisch. Jeder wartet angespannt und großer Vorfreude auf das Aachener Trio. Zum Stimmung lockern wird aber erstmal der Westernhagen-Klassiker „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ aus den Boxen geträllert, bevor dann die ersten Klänge des Intros zum eigentlichen Konzertbeginn erklingen. Als dann Chris, David und Frank die Bühne entern, kennt der Jubel keine Grenzen mehr.

    Ohne große Schnörkelei legen Fjørt schnurstracks mit „In Balance“ los. Die schwermütige Nummer wird noch einmal zum Einschwören für das genutzt, was gleich kommt: Ab dem zweiten Song „Eden“ geht’s dann nämlich richtig rund. Das Publikum ist ab dann vollständig auf Betriebstemperatur und es wird überall lautstark mitgesungen, getanzt, gemosht und einfach genossen. Selbst einige mutige Crowdsurfer kann man an einigen Stellen erblicken.

    Fjørt

    „Werdet nicht müde! Zeigt den Nazis, dass sie Eure Bremer Straßen nicht bekommen!“ – Eine Kampfansage par excellence!

    Natürlich haben die Aachener viele Songs ihres neuen Albums „Couleur“ – wie das beklemmende „Windschief“, das emotionale „Magnifique“ oder der klasse Mittelfinger-gegen-Nazis-Song „Raison“ – im Gepäck. Aber auch an die langjährigeren Fans wurde natürlich gedacht, was alleine schon der Opener „In Balance“ beweist. Mit „D’accord“, „Paroli“ oder „Anthrazit“ blicken die Aachener auf ihre Anfänge zurück und das Publikum lässt hierzu nur zu gerne einladen und feiert jeden Song frenetisch ab. Das gefällt natürlich auch der Band und vor allem Bassist David geht deswegen gern mal auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Schon bald wird es merklich heiß im Schlachthaus, was das Publikum aber nicht davon abhält, weiter ordentlich Gas zu geben.

    Wo wir gerade beim Mittelfinger-gegen-Nazis sind: Bassist David nutzt die kurze Pause vor dem Song „Paroli“, um darum zu bitten, nicht müde zu werden, sich gegen die Nazis zu stellen und denen nicht die Straßen zu überlassen, was zustimmend mit Beifall vom Publikum quittiert wird. Direkt im Anschluss spielen Fjørt den Song „Paroli“ und zum Ende wird das Publikum bei den Zeilen „Auf zwei von denen kommen zehn von uns. Und bitte!“ richtig laut. Eine Kampfansage par excellence!

    „Wir sind hier oben die drei glücklichsten Typen der Welt“

    Mit „Valhalla“ und „Lebewohl“ beenden Fjørt nach gut über einer Stunde ihr Set und werden, wie konnte man es auch anders nach so einem großartigen Konzert erwarten, mit tosendem Beifall und lautstarken Zugaberufen von der Bühne verabschiedet. Natürlich lassen sich Chris, David und Frank nicht lange bitten und kommen nach kurzer Zeit wieder auf die Bühne zurück, um nun noch einmal richtig die Hütte abzureißen.

    Chris hat sich heimlich auf eine höher gelegene Balustrade geschlichen und schmettert harte Riffs in die Menge, die kurz darauf von der ganzen Band aufgenommen werden und so der Abriss endgültig beginnen kann. Diese kurze Instrumental-Nummer dient als Auftakt für die Zugaben des Abends. Mit „Südwärts“ – was auch zugleich der Name der Tour ist – und „Lichterloh“ geht es noch einmal richtig in die Vollen und sowohl Band als auch Publikum holen alles für die Ehrenrunde aus ihre Körpern heraus.

    Mit „Karat“, dem letzten Song des Albums „Couleur“, welcher außerdem sehr passend auch noch einmal den Tournamen aufgreift, wollen die Jungs heute ihr Konzert beenden. Das Publikum mobilisiert noch einmal sämtliche Gesangs- und Schreireserven. Ein großartiger Abschluss eines absolut wunderbaren Konzerts. Erneut werden die Herren unter großen Beifall und Jubel von der Bühne in den ebenfalls mehr als wohlverdienten Feierabend geschickt. Zufriedene und lächelnde Gesichter können nach solch‘ einem Abend nur eins bedeuten: Es war ein absolut wunderbares Konzert!

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