Darius Koski von Swingin‘ Utters im Interview

Swingin Utters 2018
Foto: Alan Snodgrass

Im August veröffentlichten die Swingin‘ Utters ihr aktuelles Album „Peace & Love“ (CD-Review). Auch wenn man es dem Titel nachsagen könnte, ist die Platte alles andere als irgendein Haight & Ashbury´esker Hippiescheiß. Ganz im Gegenteil: wirkte die Platte auf Darius Kosik anfangs eher ziemlich düster, brachte der Entstehungsprozess des Titels und Cover Mut und Hoffnung. Mehr zur Platte, Koskis politische Standpunkten und warum er allmählich die Hoffnung verliert, lest Ihr in unserem Interview.

„Es sind traurige Zeiten und wir konnten im Entstehungsprozess von „Peace & love“ nicht anderes, als mehr politisches Material zu schreiben.“

Bei Facebook war zu lesen: „the swingin utters movie is coming soon to a theater near you.“ Erzähl uns mehr darüber.
Haha, Ich habe das nicht einmal gesehen. Das war sicher ein Witz. Ich bin mir nicht sicher, ob es viel Interesse an einem Swingin‘ Utters Film geben würde.

Seit der Veröffentlichung von „Peace & Love“ seid Ihr gefühlt rund um die Uhr auf Tour. Wie ist es mit dem neuen Album on the road zu sein und welches Feedback bekommt Ihr zu der neuen Platte?
Es gab bisher ein großartiges, wirklich gutes Feedback auf die neue Platte. Die neuen Songs haben sich live auch sehr gut bewährt.

Mit Tony Teixeira am Bass und Luke Ray von den Cobra Skulls am Schlagzeug hat sich eure Besetzung verändert. Wie wirkt sich die Veränderung auf die Band aus.
Natürlich! Ihr Spielstil hat den Sound beeinflusst und auch ihre Persönlichkeiten haben die Band beeinflusst was Tourneen, Aufnahmen usw. betrifft. Alles zum Besseren, denke ich. Alle verstehen sich gut und ich denke, wir haben eine wirklich gute Platte mit den beiden als neue Rhythmusgruppe gemacht.

„Wir sind von fast jedem Genre in irgendeiner Weise beeinflusst“

Der Sound der Swinigin´Utters wirkt deutlich verändert – es entsteht ein spannender Mix, den man mit Eigenschaften wie wunderschön und tragisch, traurig, düster, aber auch tanzbar bezeichnen kann. Was habt Ihr seit „Fistful of Hollow“ anders gemacht?
Wir denken nicht wirklich viel darüber nach um ehrlich zu sein. Ich bin mir immer zumindest ein wenig bewusst, was am Ende entstehen soll und was ich schreiben will – es war stets unser Ziel jede Platte anders zu machen und jede Platte für unsere Fans herausfordernd zu gestalten. Das mag manchen Leuten wie eine dumme Strategie erscheinen, aber wenn wir es so nicht machen würden, wären wir völlig gelangweilt. Was mich betrifft, würden es sich so anfühlen, als würden wir die Zuhörer mit der gleichen Scheiße immer und immer wieder weiter runterholen. Mir ist bewusst, dass einige Leute ausschließlich Punkrock hören und das ist einfach lächerlich! Sie verpassen so viel erstaunliche Musik! Wir sind von fast jedem Genre in irgendeiner Weise beeinflusst und integrieren alles in unseren Songs, was wir sehen und hören und fühlen und machen. Allein das zeigt eigentlich, dass ich nicht viel Zeit mit den Songs verbringe – ich mache nicht mehrere Versionen oder schreibe ständig neue Texte. Ich wünschte ich könnte das tun. Ich denke, wenn zu viel wirklich absichtliches Taktieren in die Sache gesteckt wird, geht die Spontanität verloren und das Lied wird zu vorhersehbar und langweilig für meinen Geschmack. Wir kennen uns an dieser Stelle gut genug um zu wissen, wann ein Song funktioniert und wann nicht. Also läuft an dieser Stelle bei uns alles ganz natürlich und relativ mühelos.

Wie formt sich euer Songwritingprozess?
Es ist schwer zu sagen, wirklich. Es passiert ganz natürlich und hat sich wahrscheinlich mit der Zeit so entwickelt, schätze ich.

„Weißt du was, FUCK YOU!“

Warum habt ihr Euch für den Albumtitel „Peace & Love“ entschieden und was bedeutet er für Euch?
Wir sind alle unglaublich frustriert, verängstigt, angewidert und wirklich sehr, sehr wütend auf den aktuellen Zustand unseres Landes. Die Führungsriege ist einfach voll von Kriminellen, voller Korruption und voll von sehr hässlichen Amerikanern, die keine Klasse, Intelligenz oder Integrität haben. Ich will nur noch in ein Loch kriechen, Scheuklappen und Ohrstöpsel anziehen und schlafen gehen. Es sind traurige Zeiten und wir konnten im Entstehungsprozess des aktuellen Albums nicht anderes, als mehr politisches Material zu schreiben. Das ist nicht schwer, wenn es um all das geht, an das Du jeden Tag denkst, umgeben von diesen Idioten (die übrigens auch wütend und entrechtet sind. Sie sind einfach zornige und entrechtete Rassisten, frauenfeindliche, homophobe und gewalttätige Hassprediger). Wie auch immer, die Platte erschien mir ziemlich traurig und wütend, dann fing Johnny an, diese beiden Gorillas zu zeichnen – einen schwarzen, einen weißen – und Frieden und Liebe tauchten einfach irgendwie in meinem Kopf auf und schienen das perfekte Gefühl für diese schrecklichen Zeiten zu sein. Ich betrachte es als eine Art „Weißt du was, FUCK YOU!“ an Trump und den rechten Flügel und all die Menschen, die diejenigen unterstützen, die unsere Nation und die Welt gerade jetzt terrorisieren.

„Love & Peace“ ist, wie Du gerade schon angedeutet hast sehr viel politischer, als seine Vorgänger. Welche Veränderungen nehmt ihr nach 31 Bandjahren in der Gesellschaft, aber auch in der Punk Szene war?
Ich habe wahrscheinlich schon einen Teil davon beantwortet, aber ich würde vermuten, dass das Wichtigste an unserer Szene ist, dass sie ziemlich normal und gefüg wurde, als Green Day einschlugen. Das Großartige an den 90ern war, dass viele Leute zu Shows kamen und Platten kauften usw. – aber nun hat die Welt sich verändert: Tattoos sind ganz normal und mit Kleidung oder Frisuren kann man nicht mehr wirklich schockierend. Ich meine, früher wurden die Leute verprügelt, weil sie wie ein Punk aussahen! Es war zwielichtig, so auszusehen! Andererseits ist es nur das, was die normale Ebbe und Flut jeder Szene zu sein scheint, denke ich.

„Ein rechtsgerichteter Republikaner kann einfach nicht Swingin‘ Utters, NOFX oder irgendeine andere Punk-Band hören“

Es ist entmutigend, Rechten in der Szene zu finden. Ich perönlich glaube nicht, dass sie wirklich dazugehören. Ein rechtsgerichteter Republikaner kann einfach nicht Swingin‘ Utters, NOFX oder irgendeine andere Punk-Band hören, es sei denn, er würde beschließen, unsere Texte völlig zu ignorieren, oder? Ich weiß, dass das nicht besonders offen klingt, aber es ist einfach auch NICHT total offen. Ich mag keine Rassisten, Vergewaltiger oder dumme, ignorante Leute, die nicht bereit sind, intelligent über irgendwas zu reden. Ich mag auch keine Trump-Fans und ich mag keine weißen Nationalisten! Diese Leute sind auf unseren Shows nicht willkommen. Diese Leute sind der verdammte Feind und das waren sie schon immer! Das sollte für jeden vernünftigen Menschen, für jeden aufrichtig und normal denkenden Menschen klar sein. Ich habe mit Trump-Anhängern auf unseren Shows gesprochen und sie gefragt, warum sie dort waren. Wie zum Teufel finden die sich bei einer Swingin‘ Utters Show wieder? Das ist für mich unergründlich.

Hast du manchmal das Gefühl die Hoffnung zu verlieren?
Ich habe die Hoffnung bereits verloren, nur vielleicht jetzt noch nicht komplett. Aber ich fühle mich ziemlich hoffnungslos. Kriminelle sind gewitzt. Trump hat eine verdammte Wahl gewonnen und ist immer noch im Amt. Böse Menschen sind klug und gerissen.

„Keep on Keepin‘ on!“

Erzähl uns was über die Entstehung von „Yes I Hope He Dies“
Johnny hat den Song geschrieben. Ich denke, es ist ziemlich eindeutig. Es geht um alles, wovon ich sprach: Böse, reiche weiße Menschen die an der Macht sind und Leben auf der ganzen Welt ruinieren.

Hast du eine Idee, was man ganz konkret machen kann, um in dieser Gesellschaft für eine „gute Sache“ aktiv zu werden?
Wählt – auch, wenn die Wahlen manipuliert sind, protestieren, investiert Zeit und Geld dafür. Ich weiß nicht, vielleicht wird das funktionieren und was bringen. Was kannst du sonst noch machen? Irgendwie Leute wie Mitch McConnell entmachten. Dieser Typ ist wirklich richtig böse.

Wem würdest Du gern mal den Kopf waschen?
Nicht, dass es die auch nur entfernt interessieren würde, aber wenn es das tatsächlich würde, wenn meine Worte sie beispielsweise versteinern würden: Glenn Beck, Sean Hannity, Bill O’reilly, Rush Limbaugh, George W Bush, Dick Cheney, Mitch McConnell, Trump, Karl Rove, Betsy Devos. Weißt du, all diese wirklich schlechten Menschen. Die Menschen, die die Leben derer zerstören, die sie in ihr Amt gewählt haben. Da gibt es noch einiges mehr, aber ich fühle mich, als würde ich die Zeit aller damit verschwenden.

Das letzte Wort hast Du!
Keep on Keepin‘ on!

Video: Swingin‘ Utters – Human Potential

Hier erhältlich

 SWINGIN' UTTERS "PEACE AND LOVE"Swinigin´Utters – Peace And Love
Release: 31. August 2018
Label: Fat Wreck Chords

Bei Maria reichen sich Punk und Politik nicht einfach nur die Hand, sie liegen sich quasi eng umschlungen im Arm und trinken Schnäpschen auf die alten Zeiten. Wenn sie nicht gerade davon träumt durch die Welt zu reisen oder ihrem Ärger auf Demos Luft macht, testet sie die neuesten Eiskreationen der Stadt, träumt vom Ruhrpott Rodeo oder sortiert ihre Platten zwischen der Terrorgruppe, Wizo, Propagandhi und No Use For A Name.

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