Primetime Failure – Memory Lane

Ganz im Ernst? Konservative Denkweisen gehören in die Tonne. Wer hat uns eigentlich gesagt, dass wir auch im Kopf erwachsen werden müssen, nur, weil die Natur es eingerichtet hat, dass der Körper welk wird. Das beste Mittel um die jugendliche Unbeschwertheit zu bewahren, ist doch genau das Gegenteil von dem zu tun, was die Gesellschaft, die Eltern oder ehemalige Schulkollegen erwarten oder sich selbst nicht trauen.

„Primetime Failure liefern den perfekten Soundtrack, um in Erinnerung zu schwelgen – Könnte eine der Sommerplatten des Jahres werden“

Baggy-Shorts, Bandshirts in Übergröße und Musik am Baggersee

Primetime Failure sind der beste Beweis, dass alte Männer (also jenseits der 30) ihren Spass nicht verlieren müssen und die Nostalgie durchaus noch eine Chance bekommen darf. Hört man nämlich den zweiten Output nach der EP „Home“ (Albumreview) von 2017 des Bielefelder Quartetts, fühlt man sich in die Zeit zurückkatapultiert, als es okay war schwedischen Melodycore jeglicher Couleur zu hören. Erinnert sich z.B noch jemand an Pridebowl oder Astream? Man hat damals alle Klischees mitgenommen, die gingen: Baggy-Shorts, Bandshirts in Übergröße, Musik am Baggersee, College-Komödien und Hinfiebern auf die neuesten Platten vom damaligen Überlabel Fat Wreck Chords.

Primetime Failure liefern den perfekten Soundtrack, um in Erinnerung zu schwelgen und sich womöglich nochmal zum Horst zu machen – warum also nicht zu „Memory Lane“ den Arsch wackeln lassen? Der Finger in der Luft sollte eh obligatorisch sein und die feinen Tunes machen es einem verdammt einfach den Kopf freizubekommen. Teils mehrstimmiger Gesang, wie beim Opener „All Hope Is Gone“, druckvolles Spiel im oberen Drehzahlbereich, catchy Melodien und eingängige Refrains sind die Zutaten, die Primetime Failure zwar nicht zu Gourmet-Köchen machen, aber ein leckeres Fast-Food-Mahl ist ja in der Regel auch nicht zu verachten.

Jammern auf hohem Niveau

Es gibt, wie beim Debüt, acht Songs zu erleben, was auch der einzige Vorwurf meinerseits bleibt – ein vollwertiges Album wäre irgendwie (noch) toller gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn so wurde die Essenz auf Platte gepresst. Es gibt keinen Ausfall, so dass „Memory Lane“ zwar nach knapp 20 Minuten durch ist, aber aufgrund des Repeat-Knopfes auf Heavy-Rotation läuft. Könnte eine der Sommerplatten des Jahres werden – und um mal die Referenzkiste zu bedienen: Wer ein Lagwagon-Shirt im Schrank liegen hat, No Fun At All etwas abgewinnen kann und gerne mal alte Punk-O-Rama oder Fat Wreck-Sampler rauskramt, wird mit „Memory Lane“ bestens unterhalten.

Video: Primetim Failure – Apologies, I Have Some

Hier erhältlich
Primetime Failure - Memory Lane AlbumcoverPrimetime Failure – Memory Lane
Release: 10. Mai 2019
Label: Uncle M

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