PUP – The Unraveling of PUPTHEBAND

Während das letzte Album “Morbid Stuff” der vier Kanadier noch im Keller entstand, schließen sich PUP für ihr viertes Studioalbum “The Unraveling Of PUPTHEBAND” fünf Wochen lang im Sommer 2021 in einer Herrenhaus Villa des Produzenten Peter Katis ein. Mitten im Dachstuhl regnet es rein und das Anwesen teilen sie sich mit Fledermäusen. Die vier Bandmitglieder um Sänger Stefan Babcock, Bassist Nestor Chumak, Schlagzeuger Zack Mykula und Gitarrist Steve Sladkowski gehen in üblicher Manier mit viel Humor und metaphorischen Schreibgefühl an das Album heran. Wobei man sich die Frage stellt, wie viel davon tatsächlich Metapher oder doch Realität ist.

PUP entwickeln sich weiter, probieren sich und neue instrumentale Einflüsse aus, ohne ihre typischen Merkmale zu verlieren. Das Album fliegt uns quasi beim Hören um die Ohren!Louise

Erfolgreiche Versager

Ihre normalen Jobs gekündigt, können sich die Jungs nun erfolgreiche Musiker in die Biografie schreiben. Doch das bringt auch Arbeit mit sich. Zu erfüllende Erwartungen, nicht mehr nur sich selbst gerecht werden, sondern auch einer Plattenfirma, die Geld in ihre Arbeit investiert. PUP machen es zu ihrem Markenzeichen über das Versagen zu singen. Ironisch – sind sie doch so erfolgreich mit dem was sie tun.

Unerwartet startet das Album mit einer Klavierballade, die sich in mehreren Teilen auch später noch wieder finden wird und einen roten Faden bildet. “Four Chords” beschreibt die Band als Business und ihre Mitglieder sind “a board of directors”.

Die Songs, die im ersten Teil des Albums folgen sind typisch PUP. Verzerrte Gitarren und angenehme Melodien werden kombiniert mit düsteren Lyrics, mit denen man sich identifizieren kann. “Robot Writes A Lovesong” ist eines der ehrlichsten und persönlichsten Songs des Longplayers. Er beschreibt einen Ist-Zustand in Form eines Roboters, in dem wir das Internet mit Gedanken und Gefühlen füttern, am Ende allerdings vollkommen überladen und überfordert von Emotionen zurück bleiben. Die hektischen Synthesizer und der im Kontrast dazu freudig klingende, melodische Gesang von Babcock, machen den Song zu einem absoluten Favoriten.

Existenzielle Angst und Selbstzerstörung

Im zweiten Teil von “The Unraveling Of PUPTHEBAND” macht sich der Hang zum Chaos bemerkbar. Die Gitarrenriffs werden tiefer und schwerer, Grunge-Einflüsse kommen zum Vorschein, speziell in “Waiting” und “Grim Reaping”. Bläser und Synthesizer lockern die Thematiken etwas auf. Es sind Versuche mit existenziellen Ängsten umzugehen. Die Hoffnungslosigkeit, die wir Menschen durch selbstzerstörerisches Handeln selbst zu verantworten haben, wird besungen. Außerdem macht sich gegen Ende auch bemerkbar, wie die Band im Schreibprozess immer irrationaler und unvernünftiger wird. Es gibt Teile der Songs, die uns um die Ohren fliegen. Synthesizer, Klavier, Blasinstrumente, Tambourin, chorartiger Backgroundgesang – die Kanadier haben wirklich alles genutzt, was ihnen im Studio zur Verfügung stand. „Man kann hören, wie die Band anfängt, von der Klippe zu stürzen, und deshalb denke ich, dass dieses Album unser bisher wahrhaftigstes und ehrlichstes ist. Es gibt nichts PUP-typischeres als einen langsamen und unausweichlichen Abstieg in die Selbstzerstörung“, sagt Sänger Babcock.

“I’m just being dramatic”

Die Zeilen im letzten Song “PUPTHEBAND Inc. Is Filing For Bankruptcy” lassen einen irgendwie nicht los: “There’s no place I’d rather be instead. Even though everybody here is fucked in the head, I’m truly grateful for the life that I’ve led. I’m just being dramatic.”
Das Album ist all over the place und dennoch ergibt es ein stimmiges Gesamtbild.

Beim ersten Hören sind viele verschiedene Instrumente und Einflüsse erkennbar. Sowohl instrumental, als auch lyrisch hinterlässt es uns etwas ausgelaugt. Einzelne Songs gehören auf jeden Fall in jede Playlist. Als Gesamtwerk ist es am Stück etwas mühsam und erschöpfend zu hören. Ob es wirklich PUP’s bestes Album ist, sei dahin gestellt.

Auch wenn es so scheint, als hätte sich die Band in ihrem Stil gefestigt, werden wir trotzdem mit dem Gefühl zurückgelassen, nicht zu wissen was als nächstes kommt. Und das macht das Ganze doch noch einmal besonders spannend.

Video: PUP – Totally Fine

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