Schmutzki – Mehr Rotz als Verstand

Wer sich „Mehr Rotz als Verstand“ zu Gemüte führt, wird definitiv nicht auf den Gedanken kommen, die Schmutzkis wären erwachsen geworden. Aber zwischen den unangepassten Punk und kreativen Krach mischt sich mitunter auch der eine oder andere ruhigere Ton. So geschickt, wie mühelos schaffen es die Stuttgarter, mit ihren Texten einen Finger in die kollektive Wunde einer ganzen Generation zu legen. Denn auf dem dritten Studioalbum geht es mehr denn je um eigene Unzulänglichkeiten, Scheitern im großen Stil und die Schönheit der Imperfektion.

Schmutzki vermuten zurecht, dass sich außer ihnen noch etliche andere mit diesem treffsicher vertonten Peter-Pan-Syndrom identifizieren können.

Zu jung, um alt zu werden

Der Opener „Sturmfrei“ klingt, als befände man sich unmittelbar bei einer Bandprobe. In einer Garage. Der Song soll vermutlich daran erinnern, dass es hier immer noch um Punkrock geht. Mit „Mr. Dejot“ und „Kalifornia“ schaffen es aber, wie gewohnt, auch tanzbare Hymnen auf den Longplayer. Letzterer Track nimmt augezwinkernd die Instagram-Community mitsamt ihrer Angst, etwas zu verpassen, aufs Korn. Die schönste Zeile daraus ist ohne Frage „Scroll dir einen runter“. Aber mit „Zu Jung“ ist Schmutzki nicht nur musikalisch der mit Abstand stärkste Titel dieses Albums gelungen, sondern gleichzeitig das charmante Eingeständnis an den eigenen Unwillen, erwachsen zu werden. Die Drei vermuten zurecht, dass sich außer ihnen noch etliche andere mit diesem treffsicher vertonten Peter-Pan-Syndrom identifizieren können.

Die Schmutzkis und die Liebe

Liebe, um die geht es natürlich auch. Und zwar nicht zu knapp. In Gestalt von durchfeierten Nächten, wie im Song „Komaliebe“, den Gefühlen zu ihrer Heimatstadt Stuttgart verbalisiert in „Mehr Rotz als Verstand“ und dem unverzichtbaren weiblichen Geschlecht in „Gut So“, erscheint sie auf dem dritten Album. Käme man auf die abstruse Idee, die Schmutzkis nach dem Sinn des Lebens zu fragen, erhielte man natürlich keine Antwort auf die Frage, aber immerhin eine Empfehlung für die „Beste Bar der Stadt“. Im Stuttgarter „Kap“ spielte das Trio vor sieben Jahren seinen ersten Gig. Und weil Liebe ja bekanntlich durch die Leber geht, haben die Jungs ihrer Lieblingsbar nicht nur ein musikalisches Denkmal gesetzt, sondern bekommen dort jetzt auch lebenslang Freigetränke.

„Hauptsache, es knallt.“

Do It Yourself funktionierte für die Stuttgarter bereits in der Vergangenheit und so war es vielleicht unvermeidlich, dass irgendwann auch die Produktion eines ganzen Albums in Eigenregie erfolgte. Dass die Band jetzt mehr denn je auf eigenen Beinen steht, verdankt sie in gewisser Weise ihrem ehemaligen Majorlabel. Der Druck, mehr Hits zu generieren, führte schließlich dazu, dass „Mehr Rotz als Verstand“ unter dem selbst gegründeten Label „Bäm Records“ entstand. Bei den Aufnahmen hatte ein guter Freund der Band seine Finger im Spiel: Martin Thielges, der auch schon für Heisskalt an den Reglern saß, sorgte für einen runden Sound. Die Jungs sagen, „Hauptsache, es knallt.“ Und das tut es.

Video: Schmutzki – Beste Bar der Stadt

Hier erhältlich

Schmutzki Mehr Rotz Als VerstandSchmutzki – „Mehr Rotz als Verstand“
Release: 14. September 2018
Label: BÄM Records

Wenn Michèle nicht gerade unter der Nadel liegt, um sich auch die letzten Hautpartien bunt färben zu lassen, ist sie oft auf Konzerten und Festivals anzutreffen. Deutschpunk, Hardcore und Alternative haben ihr Herz im Sturm erobert und Bands wie Interpol, The Baboon Show, Pist Idiots, Giant Rooks oder Feine Sahne Fischfilet sind deshalb immer in ihrer Playlist zu finden.

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