Takida, Smash Into Pieces und Writing The Future in Hannover 06. Dezember 2018, Kulturzentrum Faust

    Takida am 06. Dezember 2018 im Mephisto des Kulturzentrum Faust in Hannover
    Foto: Katja Borns

    Alle Fans der Schweden von Takida, Smash Into Pieces und Writing the Future, die am Nikolausvorabend ihre Stiefel brav vor die Tür gestellt haben, hatten am Nikolaustag eine wirklich geile und energiegeladene Abschlussshow in eben diesen. Alle drei Bands haben neues Material im Gepäck, so verspricht der Abend einiges. Für Kurzentschlossene gibt es vom Nikolaus nach dem Sold Out am Abend vorher eine gute Nachricht – das Konzert wird spontan vom kleinen Mephisto in die größere 60er Jahre Halle verlegt, was für ausreichend Karten an der Abendkasse sorgt und einen spontanen Besuch möglich macht. Dieses Angebot wird scheinbar auch reichlich genutzt, denn die Halle ist gut gefüllt.

    Ein Wohnzimmerkonzert bei Freunden

    Ein früher, aber durchweg überzeugender Start

    Planmäßig soll der Konzertabend mit Writing the Future um 19.00 Uhr starten – so staunen die Besucher nicht schlecht, als bereits um 18.30 die Lichter ausgehen und das erste schwedische Quartett Writing The Future die Bühne betritt. Zu diesem Zeitpunkt haben es vermutlich noch nicht alle Gäste des Abends in die Faust geschafft, sodass die Jungs vor einem recht überschaubaren Publikum starten. Dies wirkt sich aber absolut nicht auf die Stimmung aus. Es fühlt sich eher an wie ein Wohnzimmerkonzert bei Freunden – man merkt den Schweden sehr deutlich an, dass sie von Anfang an Vollgas geben und die Anwesenden glücklich machen wollen. Die Setlist besteht – wie sollte es anders sein – hauptsächlich aus dem vor kurzem erschienenen Debütalbum “We Suffer In Silence”. Es wird mit jedem Song voller, manch‘ einer zieht sich nicht mal die Jacke aus oder holt sich ein Getränk, sondern steigt direkt in die Party mit ein.

    Beim Song “Let Go” kommt der Merchandiser mit auf die Bühne und singt den Song zusammen mit Sänger Rasmus. “If you come to me to buy a T-Shirt you’ll get two”, verspricht der Mercher noch bevor er die Bühne wieder verlässt und auf dem Weg noch ein weißes T-Shirt in die Menge wirft, über das sich der glückliche Fänger freut wie ein kleines Kind. Das 30-minütige Set vergeht wie im Flug. So verabschiedet sich die erste Bands des Abends unter amtlichen Applaus – hoffentlich sind die, die erst jetzt zum ursprünglichen Beginn die Faust betreten, nicht zu enttäuscht.

    Die Umbaupause wird von den Gästen, die durch den verfrühten Start hastig zur Bühne geeilt sind und direkt mit eingestiegen sind, dazu genutzt, erstmal überschüssige Kleidung loszuwerden und sich ein Kaltgetränk zu organisieren, bevor es weitergeht.

    Bei Smash Into Pieces fühlt sich direkt willkommen

    Nach rund 20 Minuten wird es dann wieder dunkel in de Faust, einzige Lichtquelle ist die LED Maske des Drummers, der als erstes die Bühne betritt und eine LED Wand mit dem Schriftzug der nun folgenden Band: Smash Into Pieces. Der Rest der Band folgt und begrüßt erstmal die Anwesenden der ersten Reihen mit Handschlag – man fühlt sich direkt willkommen. Super sympathische Truppe, die während des vollen Gigs gar nicht aus dem Grinsen rauskommt.

    Vor allem die Saiten-Fraktion springt auf der Bühne herum als gäbe es kein Morgen. Sänger Chris setzt sich immer wieder auf den Bühnenrand und singt für die vornehmlich weiblichen Fans der erste Reihe auf Augenhöhe. Schon beim zweiten Song “Higher” beweist sind das Hannoveraner Publikum als äußerst textsicher. Die Band ist davon sichtlich überwältigt, findet erstmal kaum Worte und macht daher direkt – alle grinsend wie Honigkuchenpferde – weiter. Auf der LED-Wand sieht man derweil Ausschnitte aus Videos, Textzeilen oder andere passende Untermalungen zu den jeweiligen Songs. Es wird warm in der Faust und so manch einem mag der Drummer unter seiner LED Maske, die er den ganzen Gig über nicht ablegt, leid tun.

    „If you think you’ve enough singing along with us, you are wrong. Everyone knows this one“

    Es ist keine große Aufforderung nötig, das Publikum klatscht und singt von alleine mit. Dennoch fordert Fonter Chris „If you think you’ve enough singing along with us, you are wrong. Everyone knows this one“ und stimmt “Let Me Be Your Superhero” an. Es ist eine wahre Freude der Band zuzusehen wie sie feiert. Aber auch Chris zuzuhören, wie er absolut makellos jeden Ton trifft und mit seiner wahnsinnig guten Stimme trotz kuscheliger Wärme eine Gänsepelle auf die Haut vieler Zuhörer zaubert.

    Natürlich haben die vier Schweden auch neben den Klassikern neues Material dabei. „Are you guys ready to hear the new single?“ – natürlich sind die Hannoveraner das. Es überrascht, wie gut der Text zu „In Need of Medicine“ schon sitzt. Zum Ende des Sets verschwindet die Saiten-Fraktion kurz von der Bühne, um mit je einem Schnaps wieder zu kommen und zu verraten, dass Sänger Chris heute “zum 15. Mal zwei Jahre alt wird“. So bekommt er natürlich neben einem Geburtstagsschnaps auch ein Geburtstagsständchen. Es findet sich auch die vorherige Band zum Gratulieren auf der Bühne ein.

    „Tragt Ihr mich bei meinem ersten Crowdsurf als 30-Jähriger?“

    So wird Chis auch zum nächsten Song sein Wunsch erfüllt: „Tragt Ihr mich bei meinem ersten Crowdsurf als 30-Jähriger?“, fragt er – und surft daraufhin einmal durch den Raum. Leider müssen sich die Jungs nach gut 45 Minuten von der Bühne verabschieden. Sie versprechen aber wiederzukommen und bitten darum, dass dann alle Anwesenden ebenfalls wieder kommen und ihre Freunde mitbringen. So wird die LED-Wand und das erhöhte Drumkit abgebaut um Platz für den Headliner des Abends zu schaffen. Ebenfalls aus Schweden kommen Takida. Ihre Musik erinnert entfernt an die Foo Fighters, vielleicht ein bisschen ruhiger, aber nicht weniger mitreißend.

    Auch als das Licht zum dritten Mal für heute ausgeht und Takida die Bühne betreten, ist die Stimmung direkt wieder auf den Höhepunkt. Man erlebt es selten, dass einen an einem Abend wirklich alle Bands so mitreißen, dass alle mit so viel Freude auf der Bühne stehen und vor Energie nur so sprühen. Heute ist ein solcher Abend. Die große 60er-Jahre Halle mag nicht ausverkauft sein, gefühlt ist aber jeder Anwesende hier voll mit dabei. Vermutlich wäre diese Wohnzimmerkonzert Stimmung im kleineren Mephisto noch besser rüber gekommen, allerdings wären dann wohl einige im Publikum nicht in den Genuss der heutigen Show gekommen. So gab es eben ein etwas größeres Wohnzimmer – es gehört schon was dazu, das so hinzubekommen.

    Auch Takida machen keine Gefangenen und feuern ein Hit-Feuerwerk ab, das sich sehen lassen kann. Die Bühne ist sehr puristisch gehalten – nicht mal einen Drumriser gibt es. Einfach nur ein Backdrop, ein Drumkit und vier Mikrofonständer – mehr braucht es nicht.

    “Wir sind drei Bands in einem Bus – seit drei Wochen! Und es funktioniert. Mach das mal mit Deiner Frau”

    Fronter Robert bedankt sich immer wieder bei den Hannoveranern für den grandiosen Support und das Sold out. Er nimmt sich auch kurz Zeit, um über den Tour-Alltag zu sprechen “Wir sind drei Bands in einem Bus – seit drei Wochen! Und es funktioniert. Mach das mal mit Deiner Frau”. Die Chemie der drei Bands scheint also perfekt zu passen.

    Eins mit dem Publikum ist heute auch Sänger Robert. Er geht immer wieder mit den ersten Reihen auf Tuchfühlung und verlässt auch mal die Bühne um in der Menge weiter zu performen. Die Saiten-Fraktion nutzt die komplette puristische Bühne aus, um zu Posen und zu Springen.

    Auch diese Band scheint ein wirklich gutes Verhältnis zu ihrem Mercher zu haben, denn auch hier beginnt Robert mit “Hey, relax – I want to talk! Shut up!”, um – als es dann ruhig ist – dem Mercher und dem Rest der Crew für alles zu danken. Zu “Don’t Give Up” wird es dann richtig voll auf der Bühne. Alle Bands, die gerade nicht-aktiven Musiker und Teile der Crew entern die Bühne mit Schnaps bewaffnet. Einige singen mit während andere den Musikern von Takida, die gerade keine Hand frei haben, beim Trinken assistieren.

    „Look at this little teddy bear – do you want to have him?“

    Gemeinsam wird so auf eine gelungene Tour angestoßen und während Gitarrist Tomas sich den Kollegen von Writing The Future mit den Worten „Look at this little teddy bear – do you want to have him?“ anbietet, sucht Sänger Robert nochmal den Rest der Crew zusammen. “Macht mal Krach für unsere Vorbands und die Crew! Kann ich mal alle von uns auf der Bühne haben – nicht schüchtern sein, es ist die letzte Show und Fotozeit!”

    So gibt es ein herzliches Gruppenkuscheln auf der Bühne, bevor es mit “Better” weiter im Set geht. Gefühlt ist kaum Zeit vergangen als die Truppe sich von der Bühne verabschiedet. Die Hannoveraner möchte noch nicht akzeptieren, dass es vorbei ist und verlangen nach Zugaben. Die gibt es dann auch. Zu “You Learn” kommt erst nur der Fronter allein zurück und singt es mit seiner eigenwilligen, aber glasklaren Stimme ohne jegliche Hintergrunduntermalung. Nach und nach kommt auch der Rest wieder und es werden noch insgesamt drei Songs gespielt, bevor es dann leider tatsächlich zum Ende kommt. Sichtbar glücklich und erschöpft verabschieden sich noch einmal alle und entlassen die Menge in den Nikolausabend.

    Takida

    Smash Into Pieces

    Writing The Future

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