Ten Foot Pole – Escalating Quickly

15 (!) Jahre nach dem letzten regulären Ten Foot Pole Album „Subliminable Messages“ gibt es dieser Tage relativ überraschend ein neues Werk der kalifornischen Punkrocker. Zwar gab es 2017 bereits ein Lebenszeichen, aber „Setlist“ hatte im Prinzip nur Einspielungen bekannter Klassiker beinhaltet, wobei zwei Stücke komplett neu waren und Lust auf mehr machten.

„Man möchte sich ein Skateboard schnappen, den nächsten Park aufsuchen und mit unspektakulärer aber immens unterhaltsamer Punkrock-Mucke einen guten Tag haben.“

Traditioneller Sound

Gemeinsam mit Punkrock-Spezialist Ryan Greene (NOFX, Strung Out, Lagwagon, No Use For A Name etc.) haben sich Ten Foot Pole im Studio verbarrikadiert und 11 Tracks für „Escalating Quickly“ aufgenommen, die nun käuflich zu erwerben sind. Um es gleich vorweg zu sagen: Vermutlich werden nicht unbedingt neue Fans akquiriert, aber die alten Punkrock-Versteher werden sich freuen, da der traditionelle Sound aufgefahren wird (mit Abstrichen, siehe weiter unten), der die nostalgischen Gefühle bedient und den Wiedererkennungswert innehat, der damals Ten Foot Pole aus der Masse hervorstechen ließ. Neben dem festen Line-Up wurde als Drummer Sean Sellers engagiert, der von Good Riddance und The Real McKenzies bekannt sein dürfte. Zudem gibt es noch Gastbeiträge von Menschen, die ihre Zeit sonst bei Lagwagon, Zebrahead oder Atreyu abarbeiten.

90er-Skate-Punk funktioniert noch immer

„Escalating Quickly“ startet energisch und melodieverliebt mit „Everything Dies“ und beweist, dass typischer 90er-Skate-Punk nordamerikanischer Prägung noch immer funktionieren kann. „Don’t Be A Dick“ klingt mit seinen kitschigen Keyboard-Sprenkeln nach einer Nerf Herder B-Seite und nervt irgendwie. Kann mir nicht helfen, aber dieser Teenie-Sound von Menschen jenseits der 40 gezockt, klingt unglaubwürdig und aufgesetzt. Leider zerstört das elektronische Geplänkel in etlichen Songs die Stimmung, die ansonsten sehr eingängig sind. Dann lieber Songs wie „Forever Road“, „The Jackals“ oder „Unbroken“, die erstens das technische Können präsentieren, welches in den Fingern der Ten Foot Pole-Musiker schlummert und zweitens charmant „aus der Zeit gefallen“ wirken und man fast denken könnte, dass das letzte Vierteljahrhundert Musikgeschichte nicht stattgefunden hat. Man möchte sich ein Skateboard schnappen (und sich vermutlich sofort auf die Fresse legen), den nächsten Park aufsuchen und mit unspektakulärer aber immens unterhaltsamer Punkrock-Mucke einen guten Tag haben.

Es ist schön, dass Ten Foot Pole wieder am Start sind, allerdings hätte eine Fokussierung auf das Kerngeschäft ohne die nervigen Spielereien noch mehr Charme gehabt – so bleibe ich überzeugt im „Team Pulley“.

Video: Ten Foot Pole – The Getaway

Hier erhältlich
Ten Foot Pole - Escalating Quickly (Albumcover)Ten Foot Pole – Escalating Quickly
Release: 10. Mai 2019
Label: Thousand Islands Records

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