The Toy Dolls

    The Toy Dolls
    Foto: Maria Graul

    Voll motiviert betreten die drei Musiker der Band THE TOY DOLLS die Bühne der 60er-Jahre-Halle des Kulturzentrum Faust im hannoverschen Stadtteil Linden-Nord. Schnell wird klar, dass sich die britische Fun-Punk Institution auch in den letzten 37,5 Jahren – zumindest äußerlich – nicht verändert hat. Auf Besetzungsebene geht es bei den Briten allerdings ordentlich rund. Bis zur aktuellen Formation, begrüßte und verabschiedete sich Frontmann und Urgestein Michael „Olga“ Algar von mittlerweile vierzehn Drummern und zwölf Bassisten. Hut ab. Aktuell begleiten ihn Tom Goober und Duncan Redmonds. Letzterer ist nicht nur derjenige, der das Schlagzeug der THE TOY DOLLS auspeitscht, sondern auch der Motor der UK-Kultband SNUFF.

    Vereint im Schweiß, tropfen Band und Publikum um die Wette.

    Von rechts nach links rasen Algar und Goober immer wieder über die Bühne. Schnell entledigt man sich der – überzogen an Schuluniform erinnernden – Jacken. Auch dem Publikum dürfte mittlerweile ordentlich warm sein. Durchgängig wird das Pogobein wild geschwungen. Fraglich ist allerdings, wann das letzte Mal so viele Besucher zu einem Song im Kulturzentrum Faust sprangen. Als die Band aus Sunderland ihren Kulthit „Nellie The Elephant“ anstimmte, hält es kaum noch einen Besucher auf seinem Platz. Traditionell schnellen die Hände des Publikums in die Luft. Im Chor stimmen sie ein spannungsgesteigertes „Ooooooooh“ an. Während Nellie ihre sieben Sachen schnappt und dem Zirkus den Rücken kehrt, ist im Kulturzentrum Faust noch lange nicht Schluss.

    Vereint im Schweiß, tropfen Band und Publikum unübersehbar um die Wette. „She’ll Be Back With Keith Someday“ wird angestimmt. Bei „Lambrusco Kid“ feuert Olga Glitzerkonfetti aus einer als Lambrusco getarnten, aufblasbaren Sektflasche in die Menge. Ausdauernd wird der Pogo im Takt gehalten und es geht mit „Idle Gossip“ weiter. Vor lauter Hitze legt Michael „Olga“ Algar letztlich auch sein letztes Hemd ab. Verschmitzt grinsend präsentiert er ein gewaltiges, aufgeklebtes Brushaartoupet, welches er nach wenigen Sekunden triumphierend abreißt und zur Seite schleudert. „Harry Cross (A Tribute to Edna)“ vom 1986er Album „Idle Gossip“ wird von der Menge skandiert und THE TOY DOLLS verabschieden sich mit einer ordentlichen Konfettidusche aus ihrem offiziellen Set.

    „Merci beaucoup! Obrigado! Grazie und Dankeschön!“

    Das auf ganzer Linie überzeugte Publikum lässt die mittlerweile sicher funktionierenden Chöre nicht abreißen und fordert deutlich eine Zugabe. Grinsend und unübersehbar zufrieden kehren die Musiker zurück auf die Bühne. Die Gitarre auf dem Rücken spielend tritt Algar zu „When The Saints Go Marching in“ erneut vor sein Publikum. Abermals hüpft und rennt er quer über die Bühne. Der bereits 1962 geborene Sänger und Gitarrist der Band scheint einfach nichts von seiner Energie zu verlieren. Amüsiert und mehr als authentisch, bedankt er sich immer wieder bei den Fans. Mit der Hymne „Glenda And The Test Tube Baby“ und einem stillen „Thank you and bye, bye!“ verabschiedet sich das Trio erneut.

    Keine zwei Minuten später schnallt sich Algar erneut die Gitarre um und betritt – sich bedankend – die Bühne. Mit „Merci beaucoup! Obrigado! Grazie und Dankeschön!“ geht der Frontmann sicher, dass auch jeder sein Anliegen verstanden hat. Am nächsten Tag wird man folgende Zeilen auf der offiziellen Facebookseite der Band lesen können: „Hannover DANKE! You lot rocked! Hot bath sooooon! Yeah!!! Ah, love Germany Me!“. Der seit Beginn der Show über dem Publikum schwebende Teppich aus Luftballons, mit dem Konterfeit der Band, entleert sich am Ende der dritten Zugabe über dem Publikumsraum der 60er-Jahre-Halle. Während es daraufhin die Einen nochmal ordentlich Knallen lassen, versuchen andere Fans sich einen der begehrten Luftballons zu sichern. Am Ende hebt man – ein letztes Mal an diesem Abend – sein Glas auf ganz ursprünglichen englischen Punk, auf ein faszinierendes Konzerterlebnis und den Zeitgeist, der nicht nur eine Generation überlebt hat.