Start Konzertberichte Casey live in Hamburg

Casey live in Hamburg

Foto: Peter Detje

Donnerstagabend verwandelte sich das Knust in Hamburg einmal mehr in einen Ort intensiver Emotionen und klanglicher Wucht: Mit Casey als Headliner und Lastelle als Support. Auch Watch Me Rise waren mit dabei und eröffneten den Abend. Diese verpassten wir aber und können daher nicht davon berichten.

Lastelle

Den Auftakt – für uns – machte Lastelle, die es versuchten, das Publikum von Beginn an abzuholen. Ihr Sound bewegte sich zwischen atmosphärischen, fast schwebenden Passagen und druckvollen Ausbrüchen, die den Raum schnell füllten. Der Gesang wirkte nahbar und ehrlich, während die Band dahinter ein emotional und energiegeladen zu Werke ging. Schon nach wenigen Songs war klar, dass sie nicht nur als „Vorband“ wahrgenommen wurden – das Publikum reagierte aufmerksam, respektvoll und mit wachsender Begeisterung.

Casey

Nach einer kurzen Pause wurde es dann Zeit: Casey betraten die Bühne und zogen das Publikum unmittelbar in ihre Welt hinein. Ohne große Inszenierung, dafür mit umso mehr Intensität, eröffneten sie ihr Set mit „Unique“ und „Puncture Wounds To Heaven“ . Die Mischung aus Melancholie und eruptiver Energie traf den Nerv des Publikums sofort.

Im weiteren Verlauf steigerten Casey die Intensität kontinuierlich. „Great Grief“ und „Fluorescents“ entfalteten live eine enorme Wucht, während ruhigere Stücke wie „Haze“ für entspannte Momente sorgten. Es sind genau diese Kontraste, die Casey als Band so spannend machen: Kaum hatte man sich in einer ruhigen Passage verloren, brach im nächsten Moment wieder die volle Klanggewalt über einen herein.

Besonders eindringlich wurde es bei „Teeth“, das mit seiner emotionalen Offenheit für Gänsehautmomente sorgte. Man hatte das Gefühl, dass der gesamte Raum innehielt.

Ein Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes – war der Schlussteil des Konzerts. Mit Songs wie „Hell“ und „Little Bird“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Beim finalen Song „Little Bird“ entlud sich die zuvor aufgestaute Energie schließlich in einem kurzen, aber intensiven Moshpit. Es war ein kontrolliertes Chaos, getragen von der Musik und der spürbaren Verbundenheit zwischen Band und Publikum. Auffällig, aber für Casey nicht ungewöhnlich, war auch die Entscheidung der Band, auf eine Zugabe zu verzichten. Statt eines klassischen „Abgangs und Wiederkehrs“ ließen Casey ihr Set genau dort enden, wo es sich richtig anfühlte – ein konsequenter, fast schon kompromissloser Abschluss, der perfekt zur emotionalen Direktheit ihres Auftritts passte.

Auch visuell blieb der Abend stimmig: Die reduzierte, aber gezielt eingesetzte Lichtshow unterstützte die Dynamik der Songs, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade in den leiseren Momenten entstand dadurch eine fast intime Atmosphäre.

Lastelle lieferten einen überzeugenden Einstieg, Casey eine Performance, die unter die Haut ging – intensiv, ehrlich und ohne unnötigen Ballast. Ein Konzert, das weniger durch große Gesten als durch echte Emotionen in Erinnerung bleibt. Und mit der Erkenntnis von Sänger Tom Weaver: Casey ist inzwischen eine Band, zu der andere Bands aufsehen und die ein Vorbild für andere Musiker:innen ist. Hoffentlich noch für viele weitere Jahre.