Doc Rotten aus New Jersey sind eine dieser positiven Beispiele, dass DIY im Punkrock noch funktionieren kann. Die Band vor knapp 10 Jahren und ist gerade auf ihrer wohl erfolgreichsten Europatour zusammen mit Booze & Glory unterwegs. Zwischendurch bleibt da auch Zeit für kleine Headliner Shows und so ist das Quintett am Dienstag, den 27.10., im Kulturpalast Linden in Hannover zu Gast. Support kommt an diesem Abend von deutsch & seltsam.
Deutschpunk am Dienstag
Um 20 Uhr starten deutsch & seltsam ihr Set. Die Band um Sänger Norman, der u.a. auch bei Bands wie Systemfehla oder Die Üblichen aktiv ist, spielt Deutschpunk mit starkem 80-Jahre-Einfluss, der auch mal experimentell daherkommt. Musikalisch lebt der Sound der Band vor allem vom wechselnden und teils mehrstimmigen Gesang der Mitstreiterinnen und dem stets treibenden Beat. Norman begrüßt die Zuschauermenge, die noch sehr überschaubar ist, mit den Worten: „Willkommen in kleiner Runde, an diesem Dienstag, an dem so viele Leute abgesagt haben, weil eben Dienstag ist.“ Im Endeffekt sind es später knapp 25 Besucher, was trotz des besagten Dienstags wirklich überschaubar ist. Die Setliste nimmt die Anwesenden aber direkt mit auf eine Reise und so werden Songs wie „Rakete“, „Roter Himmel“, „Hoch auf das Leben“, „Freier Fall“, „Hunde des Systems“, „Schneewittchen“ oder „Rumpelstilzchen“ und viele mehr zum Besten gegeben. Dabei ist es auch kein Problem, dass Norman immer wieder nach der Setliste fragen muss oder technische Probleme am Bass auftreten. Das alles tut der Stimmung keinen Abbruch und so sieht man nach knapp 45 Minuten Spielzeit schließlich viele zufriedene Gesichter bei den wenigen Anwesenden.
Streetpunk und das Recht auf Party
Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause auf der Bühne, geht es kurz nach 21 Uhr mit Doc Rotten weiter. Das Quintett spielt seit gut drei Jahren mit dem neuen Sänger Johnny, der mit seiner rotzigen Stimme und seiner Attitüde der Band auch live eine ganz neue Qualität gibt. Dazu ist am Bass Oscar dabei, der den etatmäßigen Bassisten Doug vertritt und bisher vor allem bei Far From Finished aktiv war. Musikalisch bleibt es bei schnellem, melodischen Streetpunk, mit nun rauerer Kante, wie „15 Years“, „Hold Fast“, „Mind Control“, „Listen Up“ und „Rotten Radio“ unter Beweis stellen. Man hat beinahe den Eindruck, die Amis haben es eilig, so peitscht man durch das Set, ohne große Pause. Dabei zeigen Doc Rotten ziemliche Spielfreude, da hat jemand Bock. Und das schlägt sich auf die Zuschauer nieder.
Das Set der Band aus New Jersey macht von Beginn an gute Laune. Gitarrist Andrew weist schließlich auch auf ihre Hannover Vergangenheit hin. So war man 2018 das erste Mal hier und pflegt seitdem gute Freundschaften und so war es für die Band besonders wichtig, mal wieder und insgesamt das dritte Mal vorbeizukommen. Auch die nächsten Songs „Brass Tracks“, „Working Poor“, „Run Away“ oder „Y.S.F.U.“ zünden und zeigen, wie sehr sich Doc Rotten doch weiterentwickelt haben. Das liegt auch an Johnny und Oscar, aber nicht nur. Das Set ist im Übrigen ein guter Mix aus allen bisherigen veröffentlichten Werken, die man alle als DIY herausgebracht hat. Nummer 4 ist in Arbeit und die ersten zehn Songs sollen fertig sein. Da darf man gespannt sein, was und wann das neue Album folgt. Mit “Corpses”, „Out Of Luck“ und „Never Fall In Line” geht es dann gefühlt viel zu schnell dem Ende entgegen, welches ”Maggie Mayhem” besiegelt. Aber Johnny will die Party noch nicht ganz beenden und so folgen das Beastie Boys Cover „Right To Party“ und danach noch u.a. „Take Em All“ von Cock Sparrer. Was ein Abend, der nach knapp 50 Minuten endet. Saustarke Performance von Doc Rotten, die wirklich auf dem Weg zu einer Streetpunk-Institution sind. Auch wenn noch viel zu wenig Besucher diesen famosen Auftritt verfolgt haben. Beim nächsten Mal wird das hoffentlich anders. Stark!
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