Magnus Blixtberg von den Satanic Surfers im Interview

Satanic Surfers
Foto: Christian Bendel

Die Satanic Surfers gehören zur sogenannten Heiligen Dreifaltigkeit der frühen schwedischen Skate Punk Szene. In Deutschland sind sie eine der Bands des Punk Genre. Mit dem Gitarristen Magnus Blixtberg sprachen wir über die Rückkehr der Satanic Surfers, das aktuelle Album „Back From Hell“, die Entwicklung der schwedischen Szene und die Bedeutung im 21. Jahrhundert Musiker zu sein. Am 30. April beehren uns die Satanic Surfers im Lux in Hannover.

2007 beendetet Ihr das Kapitel Satanic Surfers vorerst. Wie kam es dazu, dass Ihr Euch doch für ein “let’s do it again” entschieden habt?

Ich persönlich habe es vermisst mit der Band Musik zu machen und zu Touren. Die Anderen waren zu der Zeit mit neuen Projekten beschäftigt. Ich dagegen machte zwar weiterhin Musik, spielte aber wesentlich weniger live. Das wollte ich allerdings wieder vermehrt machen. Wir bekamen dann einige Angebote für Festivals. 2014 sprach ich mit Rodrigo darüber, die Satanic Surfers wieder zusammenzutrommeln. Als wir dann im Dezember des gleichen Jahres die Proben starteten, hat es sich richtig gut angefühlt.

Erinnerst Du Dich an Situationen, in denen Du es sehr vermisst hast mit den Satanic Surfers zu spielen?

Es hat mir gefehlt, unsere Songs zu spielen. Diese Lieder veränderten mein Leben total. Hätte ich Rodrigo, Fredrik, Tomek und Erik 1993 nicht kennen gelernt, wäre mein Leben vermutlich ziemlich anders verlaufen. Ich hätte sicher trotzdem Musik gemacht, aber wie mit Satanic zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, passiert einem nur ein einziges Mal im Leben. Ich habe auch die ganzen verrückten Dinge vermisst, die auf Tour geschehen. Nicht nur die Shows und Partys, sondern die Sachen, die laufen, während Du durch die Gegen reist. All die schrägen Menschen die man so über die Zeit kennen lernt und die wirren Situationen, in denen Du plötzlich drinnen hängst. Dinge, die man nie erleben könnte, wenn man zu Hause bleiben würde.

“Back From Hell” wurde an einem Freitag den 13. veröffentlicht. War es beabsichtigt das Album an diesem „besonderen“ Datum, dreizehn Jahre nach der letzten Veröffentlichung, zu releasen?

Ich glaube nicht. Ich denke, dass es das erste mögliche Datum war, das Album zu veröffentlichen. Wir wollten so schnell wie möglich damit rausgehen.

Sind diese „unglückseligen“ Daten ein gutes Omen für die Satanic Surfers in Zeiten “back from hell”?

Hoffen wir es mal!

„Ich wünsche mir, dass das Publikum mindestens genauso aufgekratzt ist, wie wir, wenn wir die Songs spielen“

Wie lang dauerte es, bis Ihr anfingt neue Songs zu schreiben?

Rodrigo schreibt kontinuierlich neue Sachen, ob für die Satanic Surfers oder andere Projekte. So wie ich es verstanden habe, hatte er nach den Reunion-Shows 2015/16 schon einiges an Material zusammen. Es fing damit an, dass er uns einen Song vorstellte. Eineinhalb Jahre später standen 15 Songs zur Aufnahme bereit.

Wie war es nach so langer Zeit wieder ein Album aufzunehmen?

Aufregend und ein bisschen beängstigend. Uns war ziemlich bewusst, dass wir eine Menge aufs Spiel setzen, da das letzte Album 2005 erschien. Aber wir wussten gleichermaßen, dass die neuen Songs echt stark sind und dass es uns gelingen muss, die Energie der Proben auf Band zu bringen – oder mittlerweile halt in den Computer (lacht). Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Durch was wird das Songwriting der Satanic Surfers inspiriert?

Einerseits sind es die gleichen Dinge, die uns schon immer inspirierten: SNFU, Rich Kids On LSD und andere 80’s Punk Bands. Diesmal kamen außerdem Einflüsse des 70’s Rock und frühen Heavy Metal dazu. Bands wie Thin Lizzy, AC/DC, Lynyrd Skynyrd und Iron Maiden spielten eine Rolle. Mit Max an der Gitarre konnten wir da einige Ideen wirklich gut umsetzten.

“Back From Hell”ist ein wahnsinnig schnelles Album, welches viele Erinnerungen an die 80er und die damit verbundene grandiose Skatepunk-Szene bringt. Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du auf die Bühne gehst und die Songs spielst?

Ich wünsche mir, dass das Publikum mindestens genauso aufgekratzt ist, wie wir, wenn wir die Songs spielen. Bisher gab es live immer ein ziemlich gutes Feedback auf die neuen Titel. Es scheint, als würden die Leute das neue Album mögen. Die Songs sind definitiv hochenergetischer Punk – so wie ich unsere Songs am meisten mag. Ich glaube, dass eine starke Verbindung zur “Skate To Hell” EP besteht, auch wenn die Songs schon etwas komplizierter geworden sind.

„Wir schlugen außerhalb der Landesgrenzen wahrscheinlich viel stärker ein, als hier in unserer Heimat“

Wie hat es sich angefühlt, 2015 wieder mit den Satanic Surfers auf die Bühne zu gehen?

Man ist, wenn man eine Weile nicht live gespielt hat, ganz schön nervös. Damals war es echt ein anderes Level. Es waren immerhin achteinhalb Jahre seit der letzten Show vergangen. Unser erstes Konzert im Zuge der Reunion sollte auf dem Groezrock sein. Wir haben dann direkt eine Warm Up Show am Tag vorher in Malmö klar gemacht. Diese Club-Show war wirklich großartig. Viele alte Freunde, die wir echt eine ganze Weile nicht gesehen hatten, waren da. Wir wurden absolut herzlich in Empfang genommen und diese riesige Groezrock-Show am Tag darauf wirkte plötzlich viel realistischer.

Im April kommt Ihr für einige Shows nach Deutschland. An was denkst Du, wenn Du den Begriff „Deutschland“ hörst?

Ich erinnere mich immer wieder an unseren ersten Besuch bei Euch. Das war im September 1995. Wir waren eine Woche mit Millencolin unterwegs. Für beide Bands war das die erste Show außerhalb Skandinaviens. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit den Jungs von Millencolin darüber sprach, dass das gerade echt eine große Sache sei und dass wir uns wünschen würden die Chance, nach Deutschland zu kommen, nochmal zu bekommen. Diese Woche, mit ihren mitreißenden Shows, war großartig und der Rest ist Geschichte (lacht). Das letzte Mal spielten wir im Mai 2017 in Deutschland und hatten hier wirklich mit die besten Shows. Wir freuen uns also sehr, bald wieder zurück zu Euch zu kommen!

Wenn Du auf Deine allererste Show zurückblickst und diese mit heute vergleichst: Was hat sich für Dich verändert?

Ich spielte meine erste Show 1990. Ich war 15 Jahre alt und war in einer Punkband mit dem Namen The Nitwits. Im Vergleich zu heute würde ich sagen, dass sich absolut alles verändert hat. Ich bin erwachsen geworden, Vater und habe einen Job. Die erste Show mit den Satanic Surfers war 1993. Ich zog von Zuhause aus, war aber letztlich trotzdem ein Kind ohne wirkliche Ahnung vom Leben. Abgesehen davon spüre ich nach wie vor denselben Rausch und dieselbe Energie, wenn ich auf die Bühne gehe. Wahrscheinlich machen wir auch deswegen nach all den Jahren immer noch Musik.

Immer wieder bezeichnet man die Satanic Surfers, Millencolin und No Fun At All als die Heilige Dreifaltigkeit der schwedischen Punk-Szene. Was sagst Du dazu?

Eher die Heilige Dreifaltigkeit des 90er Skatepunks, weil wir zu der Zeit tatsächlich die Bands dieses Genre waren. Wenn wir über schwedische Punk Bands im Allgemeinen reden, gibt es einige andere, die wesentlich wichtiger für die Szene waren, als wir.  Bands wie Ebba Grön, KSMB, Asta Kask, MOB 47, Strebers and Anti Cimex beispielsweise. Das war zumindest für uns Schweden so. Wir, No Fun At All und Millencolin schlugen außerhalb der Landesgrenzen wahrscheinlich viel stärker ein, als hier in unserer Heimat. So fühlt es sich zumindest für uns an.

„Bei uns gibt es aktuell keine wirklich existierende Skate Punk Szene“

Welche Bands der aktuellen schwedischen Punkszene kannst Du unseren Lesern empfehlen?

HAG, Regimen und Gamla Pengar sind wirklich großartige Bands.

Glaubst Du, dass eine aktive Skate Punk Szene existiert und bemerkst Du Veränderungen im Punk seit Du angefangen hast Musik zu machen?

Bei uns gibt es aktuell keine wirklich existierende Skate Punk Szene. Und das ist mittlerweile mindestens seit Mitte der 90er so. Die Szene ist seitdem ganz schön ausgestorben. Im Rest der Welt scheint es eine aktive Szene zu geben – ich meine, wir spielen Shows mit großartigen Skate Punk Bands wo auch immer wir sind. Heutzutage scheinen Bands aus der Szene viel mehr Zuspruch aus der ganzen Welt zu bekommen. Das gab es früher definitiv so nicht. Alles hat sich sehr auf schwedische und amerikanische Bands konzentriert. Ich vermute, dass es mittlerweile – schon allein durch das Internet – weniger wichtig ist, woher eine Band kommt. Es ist viel leichter Zugang zur Musik zu bekommen. Das ist eine wirkliche gute Entwicklung im Vergleich zu unseren Anfängen.

Was glaubst Du ist heutzutage für Musiker das Wichtigste?

Das ist echt eine schwierige Frage. Mir ist sehr bewusst, dass es mittlerweile viel schwieriger ist Musiker zu sein, als in den 90ern. Du musst einfach ununterbrochen unterwegs sein, um Geld zu verdienen. Für die meisten bedeutet das ihre Freizeit für die Musik „zu opfern“, selbst wenn sie zu einer etablierten Band gehören, die Alben veröffentlicht. Das macht mich traurig, aber wahrscheinlich wurde Punkrock nicht fürs Karriere machen erfunden. Demzufolge glaube ich, dass das Wichtigste für Musiker Geduld ist. Es benötigt einfach beispielsweise weitaus mehr Zeit und Geduld ein Album zu schreiben und produzieren, während Du darauf angewiesen bist außerdem einem Vollzeitjob nachzugehen.

Möchtest Du noch etwas loswerden?

Wir sehen uns in Hannover!

Video: Satanic Surfers – Catch My Breath

Bei Maria reichen sich Punk und Politik nicht einfach nur die Hand, sie liegen sich quasi eng umschlungen im Arm und trinken Schnäpschen auf die alten Zeiten. Wenn sie nicht gerade davon träumt durch die Welt zu reisen oder ihrem Ärger auf Demos Luft macht, testet sie die neuesten Eiskreationen der Stadt, träumt vom Ruhrpott Rodeo oder sortiert ihre Platten zwischen der Terrorgruppe, Wizo, Propagandhi und No Use For A Name.

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