Joshi von ZSK im Interview

ZSK
Foto: Maria Graul

ZSK veröffentlichen zu ihrem 20-jährigen Bestehen das aktuelles Album „Hallo Hoffnung“ (KreuzverHör). Mit Sänger Joshi sprachen wir über das Album und die anstehenden Touren. Außerdem erzählte uns Joshi, warum die Band aus Göttingen große Augen auf den Chaostagen machte und dann doch nicht im Wald zeltete.

„‚Hallo Hoffnung‘ ist unsere Liebeserklärung an alle, die nicht aufgeben wollen“

20 Jahre ZSK: Wenn Ihr zurückblickt – musikalisch und politisch – welche Veränderung wiegt am schwersten?

Musikalisch hat der Weggang von unserem Gitarristen Beni uns schon schwer getroffen. Zum Glück haben wir mit Ace einen perfekten Nachfolger gefunden.

Politisch denke ich mir oft: Wie kann das sein, dass ich immer noch über dieselben Missstände singen muss, wie vor 20 Jahren? Warum zum Teufel kann nicht auch mal etwas besser werden?

„Mich interessiert, ob jemandem im richtigen Moment auf der richtigen Seite steht oder nicht. Ob er bereit ist die Menschenrechte zu verteidigen und sich nicht einschüchtern zu lassen von dem derzeitigen Rechtsruck.“

Was bedeutet Punk für Dich: Was darf er und was darf er nicht und wie beobachtet Ihr die Veränderung in der Szene über die letzten 20 Jahre?

Naja, Punk heißt ja immer: keine Regeln, mach was du willst. Das finde ich ganz gut. Machen wir seit Jahren so. Diskussionen was jetzt „Punk“ ist und was nicht, interessieren mich nicht wirklich. Mich interessiert aber, ob jemandem im richtigen Moment auf der richtigen Seite steht oder nicht. Ob er bereit ist die Menschenrechte zu verteidigen und sich nicht einschüchtern zu lassen von dem derzeitigen Rechtsruck. Ob das dann ein Hiphopper, Techno-DJ oder Punkrocker ist, spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Ich verstehe auch nicht, warum jemand mir sagen will, dass wir mit ZSK bestimmte Sachen machen müssen und andere Sachen nicht dürfen. Er kann doch selbst eine Band gründen und alles exakt so machen, wie er es für richtig hält.

Der Albumtitel „Hallo Hoffnung“ ist in viele Richtungen interpretierbar. Warum habt ihr Euch für diesen Titel entschieden und was bedeutet er für Euch?

Weil es gerade jetzt wichtig ist nicht zu resignieren. Die Welt ist definitiv sehr viel finsterer geworden in den vergangenen Jahren. Aber das heißt, dass man sich jetzt Verbündete suchen muss, die weiter für positive Veränderungen kämpfen. „Hallo Hoffnung“ ist unsere Liebeserklärung an alle, die nicht aufgeben wollen.

„Hallo Hoffnung“ ist viel energischer und druckvoller als seine Vorgänger und damit viel näher an Euren Live-Shows. Das ist eine klare Neuerung im Vergleich zu den Vorgängeralben. Was habt Ihr dieses Mal anders gemacht?

Oh, Danke! Ich glaube wir sind inzwischen einfach ein sehr eingespieltes Team. Wir waren wieder im Horus-Studio in Hannover. Dort kann man sehr gut arbeiten. Die Musikerwohnung ist direkt oben drüber. Das heißt du kannst zu jeder Tages- und Nachtzeit aufnehmen. Wir sind mit dem Studio so vertraut, dass wir keine Zeit für grundsätzlichen Sachen wie Aufbau, Sound etc. verschwenden müssen. Man kann sich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Also, dass man aus den Songs alles rausholt bei den Aufnahmen. Das haben wir dieses Mal echt gut hinbekommen. Wir sind mit dem Sound auf der Platte total glücklich.

„Ein Ballermann-Hit wird das leider nicht. falls doch, kaufen wir uns von dem Geld eine Kneipe und es gibt ein Mal pro Woche Freibier, um die Gesellschaft zu verändern. Ha!“

Guido Donot hat Euch während der Aufnahmen im Studio besucht, um „Die besten Lieder“, die Persiflage an Sauflieder, einzusingen. Was verbindet Ihr nach 15 Jahren Freundschaft mit den Donots?

Die Donots sind einfach wahnsinnig herzliche und ehrliche Menschen. Davon gibt es viel zu wenige Bands. Jetzt im Frühjahr nochmal mit ihnen auf Tour zu gehen, war das Beste was wir machen konnten. Man fühlt sich gleich 10 Jahre jünger. Wie Klassenfahrt war das!

Bei „Die besten Lieder“ kommt man schnell ins Schmunzeln. Während es nicht schwer fällt, den Spott zu erkennen, kann man sich gleichermaßen vorstellen, wie der Song in den verschiedensten Veranstaltungsmilieus einschlagen wird. Warum sollte es kein klassisches Sauflied werden und wie fühlt sich der Gedanke an, dass ein ZSK-Song zum Ballermann-Hit werden könnte?

Absurderweise verstehen tatsächlich manche Leute nicht, dass wir uns mit dem Lied einfach nur über Sauflieder lustig machen. Das hat uns überrascht. Dabei ist der Text so knallhart überzogen, dass das doch sofort jeder merken muss. „Wenn du in dieser Gesellschaft etwas ändern willst, dann ist Saufen dafür optimal“ – die Zeile kann man doch wohl nicht anders verstehen, als dass das Ironie ist oder? Ein Ballermann-Hit wird das leider nicht. Aber falls doch, kaufen wir uns von dem Geld eine Kneipe und es gibt 1 Mal pro Woche Freibier, um die Gesellschaft zu verändern. Ha!

Während Trump aus den Staaten auf die ganze Welt wütet und Deutschland beispielsweise Menschen in NGO´s kriminalisiert, stellen sich ZSK und Anti-Flag (vertreten durch Chris #2) diesen Themen in „Make Racists Afraid Again“ geschlossen gegenüber. Was bedeutet Dir die gemeinsame Arbeit?

Anti-Flag sind sehr schlaue, reflektierte Menschen, die aber trotzdem sehr viel Spaß verstehen. Ich glaube genau deshalb sind wir auch seit vielen Jahren so gut befreundet. Mit dem Song wollen wir klarmachen, dass Rechtsruck und Rassismus in der Mitte der Gesellschaft ein weltweites Problem ist, dem man über alle Grenzen hinweg etwas entgegensetzen muss.

„Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

„Das ist für alle, die sich wehren. Für die, die nicht mehr länger warten. Für alle, die mit uns stehen.Für alle, die noch Hoffnung haben, denn die Angst wird ganz still, wenn die Zuversicht laut wird“ singt Ihr im Titelsong „Hallo Hoffnung“. Was kann man konkret machen, um aktiv zu werden? Wie geht man das Ganze an, um wirklich etwas zu bewegen ohne die Hoffnung auf Verbesserung zu verlieren?

Etwas zu bewegen kann ganz klein anfangen. Das muss erstmal gar nicht so spektakulär sein. Mal was an Sea-Watch spenden, eine Schul-AG gegen Rassismus gründen oder einfach mal wieder auf eine wichtige Demo gehen. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, die ganz einfach sind. Wir treffen momentan auch immer wieder ZSK-Fans, die uns damals mit 15 oder 16 das erste Mal gehört haben und jetzt richtig coole Sachen machen. Die arbeiten bei NGOs oder organisieren Konzerte im linken Jugendzentrum oder geben Flüchtlingen kostenlose Deutschkurse. Die schreiben uns dann „Ohne Eure Musik, wäre ich heute nicht derjenige, der ich bin“. Das beeindruckt mich jedes Mal wirklich sehr.

Stichwort Politik: Was fällt Dir spontan zur aktuellen „Lage der Nation“ ein?

Um es mit den Worten von Max Liebermann zu sagen: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Gibt es einen Song auf „Hallo Hoffnung“ der Dich so richtig fesselt oder ist das, als hätte man einen großen Haufen Kinder und man mag sie alle gleich gern?

„Es müsste immer Musik da sein“ ist schon ein bisschen mein Lieblingssong. Der knallt total und ich liebe es, wenn alle im Publikum den Refrain so laut mitschreien. Ich kriege da jedes Mal Gänsehaut.

„Unseren Eltern hatten wir gesagt, wir gehen in den Wald um zu Zelten“

Nun habt Ihr die letzten vier Alben im Horus Sound Studio in Hannover aufgenommen. Welche Story verbindet Euch am meisten mit Hannover.

Die Chaostage natürlich! Ich war erst 14, als wir mit der Band da hingefahren sind. Das war nur verrückt. Alles voller Punks mit riesigen Irokesenpeitschen und plötzlich hat die halbe Stadt gebrannt. Wir haben einfach mit großen Augen alles angesehen und gedacht: Okay, das ist also Punk. Wow! Unseren Eltern hatten wir gesagt, wir gehen in den Wald um zu Zelten. Morgens um 3 Uhr hat uns dann die Polizei geschnappt, aufs Revier gefahren und unsere Eltern in Göttingen angerufen. Die Stimmung war dann erstmal schlecht. Für die nächste Tour durften wir trotzdem wieder den VW-Bus von meinen Eltern ausleihen. Das hat mich beeindruckt. Sie haben uns immer unterstützt mit der Band.

Neben Eurer anstehenden Headliner-Tour ab Herbst, geht ihr auf Co-Headliner-Tour mit Slime. Eine Besonderheit wird sein, dass man bei keiner Show weiß, wer eröffnet. Was ist für euch das Besondere mit Slime zu touren?

Das ist natürlich echt ein Wahnsinnsgefühl mit den Deutschpunk-Helden deiner Jugend zu touren. Wir freuen uns da sehr drauf. Beide Bands spielen jeden Abend ein volles Set. Zwei Generationen Punkrock auf einer Bühne. Ich find’s voll gut. Außerdem hauen wir noch eine gemeinsame 7inch Vinylsingle raus.

„Lasst Euch trotz finsterer Zeiten nicht unterkriegen, es werden bessere kommen. Versprochen“

Das letzte Mal haben wir Euch auf der Gilde Parkbühne In Hannover im Zuge des Révoltés Festivals gesehen. Am 17. August spielt Ihr mit Comeback Kid den Support für Bad Religion an gleicher Stelle. Was sind eure ersten spontanen Gedanken zu der Show?

Mit Bad Religion waren wir schon oft auf Tour. Sehr nette Jungs. Am meisten freue ich mich immer, wenn Brian Baker von seiner Zeit bei Minor Threat erzählt. Eine meiner absoluten Lieblingsbands. Bad Religion natürlich auch. Jeder Abend mit denen ist immer großartig. Die haben noch die wilden Zeiten vom Punkrock miterlebt und haben ernsthaft was zu erzählen. Ich muss zugeben, dass diese Momente, wo du plötzlich die Bühne mit Leuten teilst, die dein ganzen Leben mit ihrer Musik so krass beeinflusst haben, für mich fast das schönste am Touren sind. Dann wird dir plötzlich klar, dass du mit deiner Mini-Band in diesem Moment ein ganz winziges Puzzleteil sein darfst, von dem Gesamtbild Namens Punkrock.

Das letzte Wort hast Du!

Lasst Euch trotz finsterer Zeiten nicht unterkriegen, es werden bessere kommen. Versprochen. Und falls ihr mal ein ironisches Sauflied hören wollt, kommt zu unseren Konzerten. Oi!

Video: ZSK – Es muss nur immer Musik da sein

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ZSK – Hallo Hoffnung
Release:
27. Juli 2018
Label: People Like You Records

Tickets für die Show von ZSK am 16. Februar im Kulturzentrum Faust in Hannover gibt es hier: Tickets

Bei Maria reichen sich Punk und Politik nicht einfach nur die Hand, sie liegen sich quasi eng umschlungen im Arm und trinken Schnäpschen auf die alten Zeiten. Wenn sie nicht gerade davon träumt durch die Welt zu reisen oder ihrem Ärger auf Demos Luft macht, testet sie die neuesten Eiskreationen der Stadt, träumt vom Ruhrpott Rodeo oder sortiert ihre Platten zwischen der Terrorgruppe, Wizo, Propagandhi und No Use For A Name.

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