Mad Caddies, Buster Shuffle und Jon Gazi in Hannover 27. Februar 2019, Kulturzentrum Faust

    Mad Caddies am 27.02.2019 live im Kulturzentrum Faust in Hannover
    Foto: Maria Graul

    Die Mad Caddies (Interview) gehören sicher zu den einflussreichsten und bekanntesten Ska-Punk-Bands der heutigen Zeit. Am vergangenen Mittwoch macht die kalifornische Institution Station in der 60er-Jahre Halle des Kulturzentrum Faust in Hannover halt. Mit von der Partie sind Buster Shuffle und Jon Gazi. Und obwohl es ein Mittwoch ist, meldet der Veranstalter am Abend: Das Konzert ist mit knapp 700 Besuchern ausverkauft.

    „Hannover feiert ein rauschendes Live-Erlebnis“

    Jon Gazi gewinnt bereits zu früher Stunde die Aufmerksamkeit der Besucher

    Als Beginn für die Veranstaltung ist auf allen Plattformen 20.00 Uhr angegeben. Beim Eintreffen gegen 19.45 Uhr an der Halle steht Jon Gazi leider bereits auf der Bühne. Bevor die Schlange vor der 60er-Jahre-Halle überwunden ist, ist die Show auch schon vorbei. Dabei hätte ich den Musiker, der Singer-Songwriter, Reggae- und Ska-Elementen mischt und dabei Basedrum, Gitarre und Keyboard gleichzeitig bedient, gerne gesehen. Dafür, dass der Opener einer Show ziemlich oft das Los eines weniger gut gefüllten Veranstaltungsortes zieht, schafft es Jon Gazi bereits zu dieser frühen Stunde, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu ziehen.

    Bildergalerie: Jon Gazi

    Sympathischer Ska aus East-London

    Die zeitlichen Abläufe sind auf dem Punkt. Während kurz nach 20.00 Uhr noch viele Gäste in der Garderobenschlange stehen, beginnen Buster Shuffle ihr Set. Einige Szenekundige erleben vermutlich gleich zu Beginn eine Überraschung: Am Bass der Band aus East-London ist kein geringerer als Ändru Bourbon, der frühere Bassist der Berliner Punkrockband Radio Dead Ones, welcher mittlerweile seit gut einem Jahr fester Bestandteil der Band ist.

    Buster Shuffle legen auch gleich gut los. Ihre Mischung aus Ska, Rock ’n‘ Roll mit Cockney-Slang und etwas Punk erinnert nicht zum ersten Mal an Bands, wie die allmächtigen Madness und kommt beim Publikum ziemlich gut an. Je länger das knapp 40-minütige Set dauert, umso mehr nimmt auch das bereits zahlreich erschienene Publikum die Engländer positiv an. Songs gibt es aus der gesamten mittlerweile 12-jährigen Schaffensphase, inklusive dem Cover von „You Never Can Tell“ von Chuck Berry. Schwerpunkt ist aber das aktuelle Album „I´ll Take What I Want“. Songtechnisch kommen unter anderem „Brothers And Sisters“, „Devon“, „We Fall To Pieces“, „Our Night Out“ und „Teenage Wedding“ zum Tragen.

    „Fuck Brexit“

    Sänger und Pianist Jet Baker ist Anheizer und Entertainer in einem. So animiert er das Publikum zu „Fuck Brexit“-Rufen und legt dann mit einem Medley an „britischen“ Klassikern nach, wobei die Band unter anderem „Bohemian Rhapsody“ von Queen anspielt, das Publikum aber charmant foppt und in einen eigenen Song übergeht. Am Ende gibt es mehr als nur Höflichkeitsapplaus für die Vorband. Vielmehr hat man den Eindruck, die meisten Anwesenden hätten den sympathischen Briten noch ewig zuhören können.

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    Kalifornien über alles

    Es folgt eine kurze Umbaupause und um 21.10 Uhr ist es soweit: Die Mad Caddies stehen auf der Bühne. Los geht es mit „The Dirge“. Die mittlerweile pickepackevolle 60er-Jahre Halle reagiert zunächst noch etwas verhalten. Bereits beim zweiten Song „Coyote“ ist dann allerdings Party angesagt. Auch beim ruhigen, aber extrem tanzbaren „Backyard“ gibt es ordentlich Bewegung im Publikum. Insgesamt 90 Minuten haut das Septett inklusive zweier Bläser und einem Percussionisten alles raus und bewegt sich dabei durch sämtliche Alben ihres mittlerweile langen Schaffens. Auch vom ersten Album „Quality Soft Core“ aus dem Jahr 1997 spielt die Band mit „Goleta“ einen schnellen und mitreißenden Song. Und aller spätestens bei „Monkeys“ gibt es dann überhaupt kein Halten mehr. Kollektives Ausrasten allererster Kajüte ist angesagt – inklusive Crowdsurfer geht es so richtig ab. Überhaupt gehen vor allem die Songs der Kalifornier mit Dixie-Einschlag besonders gut in Hannover.

    Die Mad Caddies lassen die Venues seit über 20 Jahren aus allen Nähten platzen

    22 Jahre sind die Mannen um Sänger Chuck Robertson schon auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Dabei bewegen sie sich immer im musikalischen Dunstkreis von Ska-Punk, Reggae, Punk und Pop-Punk. Einige erinnern sich sicher noch an die Show der Mad Caddies, so circa Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre, zusammen mit King Prawn und Fabulous Disaster im Béi Chéz Heinz. Der Laden war auch an diesem damaligen Montag schon so hoffnungslos überfüllt, dass er beinahe aus allen Nähten platzte. Großartig Bewegen ging da nicht mehr. Aber so viel zu diesem kleinen Exkurs. Beliebt ist die Band eben auch heute noch und so feiert Hannover ein rauschendes Live-Erlebnis.

    Bildergalerie Mad Caddies

    Ein neues Album ist in Planung

    Direkt im Anschluss an diese Tour soll laut Band ein neues Album folgen – das wäre dann Studioalbum Nummer zehn. Aktuell sind die Kalifornier noch mit „Punk Rocksteady“ (Albumreview) unterwegs. Aber zurück zu der Show: Auch die zur aktuellen Platte gehörenden Coversongs „She“ von Green Day und „Sink, Florida, Sink“ von Against Me! oder „…And We Thought That Nation-States Were A Bad Idea“ von Propaghandi finden den Weg in die Setlist und werden besonders gut vom Publikum abgefeiert.

    Natürlich dürfen auch weitere Hits wie „Road Rash“, „State of Mind“, „Mary Melody“ oder „Drinking For 11“ nicht fehlen. Bei diesen Songs steigen Laune und Temperaturen noch einmal deutlich an, wenn das überhaupt noch möglich ist. Mit „All American Badass“ beendet die Band ihr reguläres Set, aber lässt es sich nicht nehmen, noch einmal für drei weitere Songs zurückzukommen. Dann schließlich beschließen die Mad Caddies mit „Whatcha Gonna Do“ einen tollen Konzertabend und entlassen das völlig begeisterte Publikum in die Nacht. Klasse Band, toll abgeliefert. Starkes Konzert. Bitte mehr davon!

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