Stray From The Path, Obey The Brave und Capsize in Hannover

„Come closer!“, fordert Capsize-Frontmann Daniel Wand die Besucher im Béi Chéz Heinz gleich zu Beginn ihres Sets auf. Hannovers Keller ist sehr gut gefüllt und das Publikum scheinbar gewillt, den obligatorischen Sicherheitsabstand zur Bühne heute mal außen vor zu lassen. Zu Songs wie „XX (Sew My Eyes)“ oder „Tear Me Apart“ vom aktuellen Album „A Reintroduction: The Essence Of All That Surrounds Me“ (Review) zeigen sich die Besucher bereits textsicher und Capsize liefern eine sehr starke Eröffnungsshow für Stray From The Path ab.

Aufmerksamen Beobachtern entgeht nicht, dass von der eigentlichen Bandbesetzung heute Abend nur zwei Mitglieder auf der Bühne stehen: Frontmann Daniel Wand und Schlagzeuger Andrew Tamayo. Erst vor kurzem verließ Gitarrist Nick Lopez die Band, um sich auf sein Studium zu konzentrieren und auch Gitarrist Ryan Knowles ist auf dieser Tour nicht mit dabei. In Bühnenpräsenz und spielerischem Können machen die beiden Vertreter aber eine hervorragende Figur und Capsize präsentieren sich wie gewohnt als mehr als sehenswerte Live-Band.

„Thank you for one of the best show of this tour!“

Obey The Brave – die für Wolf Down eingesprungen sind – starten ihr Set mit „Full Circle“. Damit bringen sie das Béi Chéz Heinz sofort auf Hochtouren. Die Kanadier haben bereits in der Vergangenheit stets eindrucksvoll bewiesen, eine großartige Live-Band zu sein, die es versteht, ihr Publikum von Anfang an mitzureißen. Das schaffen sie nicht nur durch ihre brachialen und groovigen Metalcore-Songs, sondern auch durch ihre gesamte Bühnenpräsenz – hier stimmt einfach alles. Kein Wunder also, dass sich die Besucher zu Songs wie „Mad Season“ vom gleichnamigen, aktuellen Album (Review) oder „Raise Your Voice“ vom Vorgänger „Salvation“ in Mosh- und Circle Pits ordentlich verausgaben, während sich Sänger Alex Erian immer wieder an den Rohren an der niedrigen Decke des Heinz hängt, Richtung Publikum beugt und das Mikrofon in die Menge hält.

„Thank you for one of the best show of this tour!“, bedankt er sich am Ende des Sets bei den Besuchern und klopft sich dankbar und anerkennend auf die Brust. „Wer will nach dieser großartigen Show denn jetzt noch auf die Bühne?“, ertönt es aus dem Publikum. Und tatsächlich hätte die ein oder andere Band nach diesem Abriss ordentlich ins Schwitzen kommen können. Was beinahe unmöglich erscheint – und somit durch und durch für einen großartigen Konzertabend spricht – schaffen die New Yorker Stray From The Past allerdings mit links. Sie setzen durch ihre energievolle und mitreißende Show sogar noch einen oben drauf.

„Everyone is welcome at a Stray From The Past show. But one thing is not: racism“

Kein Wunder: Stray From The Path sind immer mit vollem Herzblut dabei und das merkt man dem Vierer auch an. Auf der Bühne geben sie alles. Wer die Alben der Band kennt, der weiß, dass es ihnen wichtig ist, eine nachhaltige Message zu verbreiten. „Everything you see is real and straight from the heart!“, erklärt Frontmann Drew York. Auch auf ihrem neuesten Werk „Only Death Is Real“ (Review) zeigen Stray From The Past Flagge. Und drücken auch live gerne mit dem Finger in die politische und gesellschaftskritische Wunde. „Everyone is welcome at a Stray From The Past show“, erklärt Drew. „But one thing is not: racism“. Damit stimmt die Band „Good Night Alt-Right“ an und verwandelt das Béi Chéz Heinz erneut in einen großen Moshpit.

Zum Anschluss setzt Drew selbst zu einem Crowdsurf an und lässt sich von der Menge tragen. Verschwitzt, aber breit lächelnd eilt er nach der Show sofort zum Merchstand. Dort steht er für Gespräche mit den Besuchern und für Erinnerungsfotos bereit. Dafür ist sich heute Abend keine der drei Bands zu schade.

Wenn Bands wie Stray From The Path, Obey The Brave oder Capsize auf der Bühne davon sprechen, alles um ihre Band „aufrichtig“ zu halten, meinen sie es auch so. Und geben der Hardcore-Szene so wieder ein Stück weit tiefgehende Substanz zurück. Von der man teilweise befürchtet hat, dass sie in all der Prolo-Attitüde immer weiter verschwinden könnte. Aber dass sich eine gewisse Attitüde und Style mit Aufrichtigkeit ganz wunderbar vereinbaren lässt, zeigt ein Abend wie dieser ein mal mehr.

 

Stray From The Path

Obey The Brave

Capsize