Track By Track: Useless ID – Bad Story, Happy Ending

Vor rund 20 Jahren veröffentlichte die israelische Punkrock-Band Useless ID ihr Album „Bad Story, Happy Ending“. Anlässlich des runden Geburtstages veröffentlicht SBÄM am 19. November erscheint das Album als Special Vinyl-Edition. Frontmann Yotam Ben-Horin gibt Euch hier einen Einblick in die rund 15 Songs der Platte.

At The Stadium

Einer der letzten Songs, die für „Bad Story“ geschrieben wurden. Zu der Zeit hörte ich die Kid Dynamite / 88 Fingers Louie Split, die auf Hopeless Records veröffentlicht wurde. Ich liebte Kid Dynamite und fing langsam an, auch 88 Fingers Louie zu mögen. Sie hatten diesen einen Song auf ihrer Seite der Split „Slow Chorus Overlap“, der für mich als ein großartiger, melodischer, schneller Song herausstach, und ich glaube, dass ich unbewusst einige melodische Ideen davon übernommen habe, um einen davon für Useless ID zu nutzen. Der Text kam mir eines Nachts im Haus eines Freundes in Maccabim, einer Stadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, in den Sinn. Es war 3.00 Uhr morgens und ich hatte noch nichts von dem Mädchen gehört, mit dem ich mich zu der Zeit zu treffen begann. Eine Woche zuvor hatte ich sie in ihrer Heimatstadt besucht, wir gingen zu diesem leeren Fußballplatz und ich spielte ihr ein paar Lieder auf der Gitarre vor, der typische Anfang einer romantischen Geschichte, in der ein Junge versucht, ein Mädchen zu beeindrucken. Ich nannte den Song „Worry“, bevor ich einen Text hatte, aber als ich anfing, ihn auf meinem Notizblock zu notieren, schien „At The Stadium“ passender.

Another Bad Taste

Dies ist einer der ersten Songs, die ich für Useless ID geschrieben habe. No Use For A Name hatten gerade „More Betterness“ veröffentlicht und es wurde sofort zu meinem Lieblingsalbum von 1999. Ich mochte Tonys Songwriting so sehr, dass es mich dazu inspirierte, „Another Bad Taste“ zu schreiben. Der Song kam ziemlich schnell und ohne viel nachzudenken, einige Songs neigen dazu, sich einfach zu ergeben und man hinterfragt sie nicht. Es war auch eines der ersten vier Demos, die ich den Jungs zu hören gegeben habe.

No Time For Me To Be A Teenager

Als ich „Teenager“ – wie wir ihn nannten – schrieb, hatte ich das Gefühl, auf ein Juwel gestoßen zu sein. Ich dachte der Refrain sei superstark und würde unser „Hit“ werden, wenn es denn einen geben würde. Während der Demos entdeckte ich Vocal Doubling, nachdem ich versehentlich zwei Vocal Takes zusammen gespielt hatte, was mich an Blakes Gesang bei „Dear You“ erinnerte. Zusammen mit Kung Fu Records entschieden wir uns, Kris Roe als Produzenten an Bord zu holen – schließlich hatte er uns entdeckt. Einige Zeit später machten wir eine Europatournee mit The Ataris und The Vandals und teilten uns einen Bus mit The Ataris. Kris machte eine Liste mit den Songs, die er auf dem Album haben wollte, von der 20-Song-Demo-CD, die wir ihm gegeben hatten, und „Teenager“ war nicht dabei. Ich flehte ihn an, seine Meinung zu ändern und er entschied sich, mit uns zu arbeiten. Später reiste Joe Escalante extra nach Israel, um ein Video dafür zu drehen.

Presents

Dies ist einer der ersten Songs, bei dem ich die Idee des traditionellen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge-Ansatzes usw. fallen ließ. Ich habe mich von der Melodie leiten lassen. Textlich geht es diesmal um ein anderes Mädchen, in das ich total verknallt war. Ich habe ihr meine Tilt-LP geschenkt und habe ihr sogar die Demo-Version von „Presents“ gezeigt. Sie zeigte mir aber nur die kalte Schulter – ich hab nicht gemerkt, dass ich bei ihr absolut nur in der Friendzone war.

Just Friends

Apropos Freundschaftszone: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon eine Ahnung davon. Musikalisch habe ich versucht, unsere Antwort auf Ataris „San Dimas Highschool Football Rules“ zu schreiben. Ich glaube so geht es vielen Songwritern am Anfang ihrer Karriere: Es ist, als stünde man vor einem riesigen Feld von Ideen und Songs, von denen man sich die Früchte herauspickt. Ich wollte, dass auch ein Midtempo-Song vertreten ist, also habe ich „Just Friends“ geschrieben.

Oh, My Guard

Das ist ein kleines Wortspiel, denn der Nachname des Mädchens, mit dem ich damals versuchte, zusammenzukommen, heißt auf Englisch „Guard“, und so kam der Songtitel zustande. Musikalisch habe ich „Let’s Talk About Feelings“ von Lagwagon gehört, und die meisten der schnellen Songs hatten eine ähnliche Akkordfolge wie „Oh, My Guard“ und „At The Stadium“ mit den abweichenden Akkorden in den Strophen.

Day By Day

Dies ist einer der beiden einzigen Songs, bei denen Guy auf „Bad Story“ den Leadgesang übernommen hat, bevor er sich vom Leadgesang zurückzog. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass die Band beschließt, die Instrumente zu tauschen, aber in diesem Fall hatte ich so viele Songs für dieses Album geschrieben, dass es sich ganz normal anfühlte, dass ich der Leadsänger wurde. Ehrlich gesagt vermisse ich es, dass Guy bei diesen Songs den Leadgesang übernimmt, denn das war es, was mich überhaupt erst zu Useless ID gebracht hat, als ich mit 15 Jahren bei ihren Proben saß, von der Seite zusah und davon träumte, in einer Band mit diesen Leuten zu sein.

Nothing Logical In This Lifetime

Der Song ist stark inspiriert von Pinhead Gunpowder’s Cover von „Mahogony. Nachdem Ishay es mir vorgespielt und gesagt hatte: „Zieh dir diesen coolen Song rein“, fing ich an, unkonventionelle Akkordfolgen zu verwenden, wie z.B. von G nach C und dann nach F# zu gehen, was nicht viele tun – wenn überhaupt. Im Studio wollten wir, dass der Anfang eine Rückkopplung wie bei Sonic Youth bekommt und sich für einen Moment von unserem Sound entfernt. Wir waren uns alle einig, dass das lästige Geräusch auf dem endgültigen Master herausgeschnitten werden würde, aber das ist nie passiert… bis jetzt auf der Wiederveröffentlichung von SBÄM! Also wer auch immer dieses lästige Geräusch vermisst, es tut uns leid, dass es uns all die Jahre genervt hat. Haha.

Out Of Tune

Das ist ein Song, den Ishay geschrieben hat. Zu der Zeit gab es diese Spaltung zwischen der Haifa- und der Tel Aviv-Szene in der Frage, was Punk ist und was nicht, und einige Leute hatten es wirklich schwer mit uns, wenn wir etwas außerhalb dieses kleinen israelischen Punk-Zirkels machten, und wir wurden sehr geächtet. Es passierte nach einer Show gegen Ende 1998, als ich in Useless ID und meiner anderen Band Negative Impact Bass spielte. Nach der Show, als ich mich gerade draußen sammelte, schaute ich zur Seite und sah fünf Punks, die Ishay wie Aasgeier umkreisten und ihm sagten, was ok ist und was nicht, während er konterte und nicht nachgab. Ich habe ihn wirklich dafür bewundert, dass er sich für uns eingesetzt hat.

Note

Manche Lieder haben eine Melodie, von der man denkt, dass man sie schon einmal gehört hat, wie ein Schlaflied. Ich arbeitete damals als Postbote, und um mir die Zeit zu vertreiben, summte ich Melodien vor mich hin und versuchte, mich an sie zu erinnern, wenn ich nach Hause kam. Ich hatte nie ein Tonbandgerät dabei, und die Handys, die wir damals benutzten, waren nur für Anrufe und Textnachrichten gedacht. Als „Note“ entstand, war es super poppig und einprägsam, vielleicht zu poppig. Im Studio bestand Kris darauf, dass wir die Wiederholbarkeit der ersten Gesangslinie aufgeben und stattdessen mit der Melodie spielen.

Far From Distance

Hier geht es um dasselbe Mädchen aus „At The Stadium“, das auf dem leeren Fußballplatz wollte, dass ich ihr „Far From Distance“ vorspiele. Ein Lied, das ich für sie geschrieben und ihr auf Kassette überspielt hatte, um sie zu bezaubern.

Operation New Years

Das gleiche Mädchen aus „Oh, My Guard“, das ich auf dem Heimweg vom Postamt im Bus gesehen hatte. Sie hatte ein Nasenpiercing, gebleichtes, schulterlanges Haar, das zu einem Zopf gebunden war, und eine Tätowierung in Form einer Katzenpfote hinter dem Ohr. Ich konnte nicht aufhören, an sie zu denken, bis ich sie auf dieser Party in der Innenstadt wiedersah und den Mut aufbrachte, sie anzusprechen. Ich erwähnte, dass ich wahrscheinlich Post zu ihrem Haus liefere, als sie mir ihre Adresse nannte. Sie war super süß und freundlich und gab mir sogar ihre Nummer. Als sie erwähnte, dass sie mit jemandem zusammen war, habe ich zwei Wochen versucht sie zu umgarnen, mit dem Ziel, bis Neujahr mit ihr zusammen zu sein, was natürlich nicht geschah. Lustige Tatsache: Ihr Freund hieß Guy („Du verbringst diesen Tag lieber mit diesem Guy“), allerdings nicht Guy von Useless ID.

Working Yerk

Dieser Song ist sowohl textlich als auch musikalisch ein bisschen seltsam. Ich merkte, wie meine Freunde langsam in andere Realitäten verschwanden. Freunde, die ich hatte, als ich 15 war, erfüllten plötzlich ihren Militärdienst und verließen die Punkrock-Fantasiewelt, in der ich lebte, um Songs zu schreiben und auf Tour zu gehen, um sich anderen Dingen im Leben zu widmen.

Wake Up Call

Als ich als Postbote arbeitete, stand ich jeden Tag gegen 5.00 Uhr morgens auf, nahm den Bus, der um 6.00 Uhr im Büro ankam, und begann, die Poststapel zu sortieren und die Route vorzubereiten, die mir für den gleichen Tag zugeteilt wurde. Eines Tages gab es eine neue Sekretärin, die ich sehr mochte, und ich dachte mir, dass sie niemals mit einem Einsiedler wie mir ausgehen würde, weil sie so fröhlich und offen war, aber definitiv nicht mein Typ, und ich spielte mit dem Gedanken, sie eines Tages außerhalb des Postamts zu sehen. Aber dazu kam es nie, in meinem Kopf wird sie für immer hinter dem Schalter stehen.

A Year To Forget

Ishay hat die Musik zur Strophe geschrieben und ich habe den Refrain und den Text vervollständigt. Ich habe die Trennung von meiner ersten Freundin erlebt, als ich während unserer US-Tour Anfang 1998 unterwegs war. Es war zermürbend, denn wie ihr wisst, ist es nicht einfach, mit jemandem Schluss zu machen, den man liebt. Ich beschloss eines Tages Schluss zu machen, und am nächsten Tag änderte ich meine Meinung. Als ich sie wieder anrief, sagte sie, dass sie sich bereits mit jemandem treffe. Ich meine, es verging kein Tag… haha, so schnell kann es gehen. Es gab später noch eine lustige Situation, Ishay erinnert sich gerne daran: Etwa ein Jahr später haben wir im Carmel Center Falafel gegessen, sie kam mit ihrem neuen Mann vorbei und blieb stehen, um Hallo zu sagen, gerade als ich den größten Rülpser losließ. Ein Klassiker.