VON GRAMBUSCH im Interview

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Foto: Von Grambusch / Pressefreigabe

Von Punk zu Akustik und zurück gibt es mittlerweile wohl einiges an bekannten Vertretern. Irgendwo zwischen Punk und Akustik siedelt sich dabei die Bremer Band VON GRAMBUSCH an, die ihr Genre selbst als Akustik-Pop-Punk definiert. Nicht ganz so reduziert, wie Stimme und Gitarre, sondern mit voller Instrumentierung abgestimmt auf kreative Texte zu unterschiedlichsten Gefühlen und Situationen, tritt die Band seit 2019 auf den norddeutschen Bühnen auf. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Songs „Ich nehm‘ Dich mit“ haben wir uns mit Jendrik (Gitarre/Gesang) und Miron (Bass/Gesang) unterhalten. Über die Evolution von Punk bis zur Akustik, Erlebnisse auf Festivals und Konzerten, die aktuelle Zeit und „Ich nehm‘ Dich mit“. Nach der scherzhaften Feststellung, dass VON GRAMBUSCH eher zu den Softies in Sachen Punk gehören, ist das auch das erste Thema.

„Irgendwann können wir alle wieder reisen, dann gehen wir alle zusammen und wir nehmen Euch alle mit!“

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Es gibt ja viele Bands und Künstler, die von ihren Wurzeln her Punk sind und sich dann in eine andere Richtung entwickeln oder entsprechende Solo-Projekte starten.

Jendrik: Ja, das ist bei vielen so, habe ich das Gefühl. Wenn man sich zum Beispiel Joey Cape oder Tony Sly – Joey Cape macht’s ja noch, Tony Sly ist ja leider verstorben – anguckt, die kommen ja alle aus Lagwagon, No Use For A Name und so – oder auch City And Colour von Alexisonfire. Die Wurzeln liegen immer in den härteren Richtungen, wo die Leute dann irgendwie ins Poppigere, meistens ja sogar lustigerweise in diese Singer-Songwriter-Richtung gehen. Das war tatsächlich auch mein Grundgedanke, aber ich weiß noch, direkt als ich den ersten Song aufgenommen habe, war mir das irgendwie zu langweilig, also hab ich gesagt: „Nee, also Schlagzeug sollte da schon auf jeden Fall hinter sein.“ (lacht)

Miron: Ich bin auch ganz erstaunt über Brian Fallon, also ich bin großer The Gaslight Anthem Fan, und jetzt hat der gerade in dieser Corona-Zeit sein mittlerweile drittes Solo-Album „Local Honey“ veröffentlicht. Der wird halt von Album zu Album ruhiger, das ist einfach so ein richtig ruhiges Ding, wo ich mir so dachte: „Ok, krass.“

Vielleicht lassen sich bestimmte Sachen auch besser erzählen, wenn man sie ruhiger verpackt?

Jendrik: Ja, das ist wahrscheinlich wirklich so. Wenn man irgendwann anfängt zu sagen: „Ok, ich möchte jetzt vielleicht damit auch was vermitteln“, dann überlegt man sich, wie man das macht. Also ich möchte jetzt nicht sagen, dass man das im Punk, Hardcore, Post-Hardcore nicht machen kann, aber ich glaube da schwingt ja auch viel die Emotion mit. Also, die Frage „Was für eine Atmosphäre will ich vermitteln?“, eher diese aggressive „Ich bin dagegen“ und „jetzt geht’s nach vorne“-Stimmung, die die Musik ja auch vermitteln soll. Ich glaube wenn du anfangen willst Geschichten zu erzählen, dann wird das schwierig. Gerade wenn du dann vielleicht auch nicht auf deutsch schreibst, für ein deutsches Publikum, sondern eher auf englisch. Ich weiß noch, dass ich damals, als ich englische Texte geschrieben hab, versucht habe, dass das alles irgendwie ganz cool klingt, aber ich würde nicht behaupten, dass ich da jetzt ganz bewusst tolle Texte hatte, mit denen ich irgendwas vermitteln wollte. Das ist jetzt ein bisschen anders geworden. Aber ja, absolut, da gebe ich dir zu 100% Recht. Was hörst Du denn selber eigentlich für Musik?

Alles Mögliche tatsächlich, ich lege mich da nicht so fest.

Jendrik: Ist glaube ich auch ganz gut. Ich habe da letztens auch was ganz Kluges gehört von Kotaro Dürr, der ist Moderator bei 1Live, mit dem habe ich halt über Umwege so ein bisschen Kontakt und der hatte im Podcast gesagt: „Man muss einfach durch die Welt mit ’nem offenen Ohr gehen, weil man viele neue Sachen entdecken kann.“ und das finde ich einen klugen Ansatz. Ich weiß selber, wie ich in meinen Punk-Teens war, so mit 14/15, da hab ich gesagt: „Punk ist das einzig Wahre und alles andere ist für mich Schrott!“ und das ist halt so dumm, weil man sich damit vor so vielen tollen Sachen verschließt und da geht so viel an einem vorbei. Ich glaube, man sollte auch einfach überall mal reinhören und immer mal wieder mutig sein. Vielleicht auch in eine Musikart, die man sonst gar nicht so geil findet, dass man da so denkt: „Vielleicht gibt es da ja auch was ganz Geiles.“ Das funktioniert zur Zeit zum Beispiel richtig gut bei uns in der Band.

Miron: Ein gutes Beispiel dafür ist halt Spotify, das ist Fluch und Segen, irgendwie. Man findet da halt, wenn man will, extrem viele geile neue Sachen. Unabhängig davon, ob man sich mit anderen austauscht, kann man da sich wirklich sehr schnell irgendwo hineinvertiefen. Sei es über den Mix der Woche, irgendwelche Mixtapes oder sonstige Geschichten – auf der anderen Seite kann das gerade für kleinere Künstler auch schnell zum Fluch werden, weil mittlerweile dieser Konsum gar nicht mehr „gewertschätzt“ wird, sondern irgendwie alles einfach nur noch als „selbstverständlich“ hingenommen wird.

„Man sollte auch einfach überall mal reinhören und immer mal wieder mutig sein. Vielleicht auch in eine Musikart, die man sonst gar nicht so geil findet.“

Jendrik: Leider Gottes. Aber ich finde es zum Beispiel ganz geil, dass wir es jetzt in der Band so gemacht haben, dass wir zwei Playlists haben. Einmal wo deutsche Musik drin ist halt um zu gucken: „Was macht die Konkurrenz?“ (lacht) und was finden wir selber auch ganz geil. Und dann einmal eine internationale Playlist, da ist dann alles drin, was wir gut finden. Die eine geht dreieinhalb Stunden, die andere geht acht Stunden. Ich habe die auch auf random immer mal wieder an und dabei entdecke ich immer wieder neue Sachen und das finde ich ganz geil, muss ich sagen. Da haben auch wir vier sehr unterschiedliche Geschmäcker, auch wenn wir alle irgendwie Rock hören, hören wir sehr sehr unterschiedliche Musik, fällt mir immer wieder auf.

Miron: Ja, Jendrik und Patrick sind da die Mitte, würde ich sagen, unser Schlagzeuger Yannick hört eher die härteren Sachen und ich bin eher so der Softie. (lacht) Dann kann es schon mal passieren, dass du in dem einen Song erstmal angeschrien wirst und dir dann auf einmal jemand ganz leise ins Ohr haucht. Das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Playlist, aber es macht natürlich Spaß, weil man immer wieder so viel Neues entdeckt.

Jendrik: Ja, voll! Ist echt so. Und dann kommt von Patrick auf einmal so ein amerikanischer Rap-Track und du fragst dich: „Was passiert denn jetzt?“ Aber es ist auch immer wieder was Geiles dazwischen!

Wie verbringt Ihr eigentlich zu „dieser Zeit“ Eure Zeit?

Miron: Also, primär zuhause (lachen). Nein, also wir haben einen richtig geilen Weg gefunden die Band irgendwie trotzdem am Leben und aktiv zu halten. Wir haben natürlich viele Themen noch nebenbei, die wir irgendwie klären müssen und vorantreiben wollen. Sei es uns die ersten Mixe anhören, die wir jetzt reinkriegen oder Vertriebsarbeit, wie das Logo für die erste Single und sonstige Geschichten, mit denen wir uns jetzt beschäftigen. Wir skypen oder facetimen mindestens einmal die Woche und schreiben in Discord ganz viel, so bleibt das irgendwie am leben. Proben ist halt nicht drin, ist ja klar. Ich glaube da versucht jeder irgendwie für sich, wenn es irgendwie möglich ist, ein bisschen zu üben, aber sonst geht es da so voran. Irgendwie ist das gerade auch so ein bisschen Fluch und Segen für uns, dass wir jetzt quasi gezwungen sind uns mit diesen Themen auseinander zu setzen.

Jendrik: Genau. Also anstelle von dem Mittwoch, wo wir sonst immer proben sind, treffen wir uns jetzt in Facetime oder Discord und beschnacken andere Sachen. Lustigerweise haben wir das vorher immer kurz vor oder nach der Probe gemacht, haben uns da aber nicht so viel Zeit für genommen und so ist es jetzt auch ein bisschen strukturierter und wir werden das wahrscheinlich danach auch beibehalten.
Wie wir das machen wissen wir noch nicht genau, aber uns ist aufgefallen, wenn wir sagen „Ok wir besprechen jetzt mal eine Stunde oder anderthalb nur so trockene Sachen wie z.B. Verträge, GBR, Video“, dass einen das wahnsinnig nach vorne wirft, weil man ja meistens sofort auch Entscheidungen trifft zu bestimmten Themen. Und das ist jetzt so die Chance, die entstanden ist.

„Irgendwie ist das gerade auch so ein bisschen Fluch und Segen für uns, dass wir jetzt quasi gezwungen sind uns mit diesen Themen auseinander zu setzen.“

Miron: Man muss halt sagen, davor war es auch noch nicht so notwendig. Viele Themen waren zu dem Zeitpunkt noch gar nicht da oder relevant genug. Aber wir haben auch zum Ende hin, wo es dann schon ins Studio ging, oder kurz vor Studio, gemerkt, dass halt diese Themen alle irgendwie aufkommen und haben die nur angesprochen, aber nie so richtig gut vorantreiben können, da ist diese Strukturiertheit schon echt vorteilhaft und das wird auch glaube ich positiv aus der Corona-Zeit mit in die „Neuzeit“ genommen.

Jendrik: Und wie wir das mit den Proben machen, da haben wir uns einen Gag draus gemacht, da haben wir ein kleines Video zu gedreht, zu dem ersten Song, „Ich nehm‘ Dich mit“. Da haben wir so getan; als würden wir doch für das ausgefallene Konzert proben und das ist natürlich dann nur über Facetime und nicht echt, aber ist glaube ich ganz witzig geworden.

Ihr wart ja auch einige Zeit im Studio, bevor das Kontaktverbot in Kraft getreten ist. Habt Ihr da fertig bekommen, was Ihr Euch vorgenommen hattet oder ist das jetzt auch auf Eis und muss wieder aufgenommen werden, sobald es eben geht?

Jendrik: Wir haben tatsächlich richtig viel Glück gehabt, dass wir mit allem, ich sage mal zu 95%, fertig waren, bevor die Kontaktsperre kam. Corona war die ganze Zeit schon Thema und wir haben im Studio auch schon auf Händeschütteln verzichtet. Es war die ganze Zeit präsent, aber das war ja hauptsächlich im Februar und dann waren wir zwei, fast drei Wochen am Stück im Studio und dann kamen halt noch so zwei, drei Einzeltermine, das war auch noch im Februar und dann war eine Sache, die dann mitten in die Kontaktsperre fiel. Da haben wir uns dann aber eine Möglichkeit gesucht, wie das doch ging. Die Gesangskabine ist ja gut getrennt vom Produzenten und dadurch war es doch noch möglich, den Rest einzusingen.

Miron: Corona war halt schon die ganze Zeit der Fall und man hat sich natürlich am Anfang auch ein bisschen lustig gemacht, am Ende war das dann gar nicht mehr so witzig. Und ja, ich musste noch meine Gesangsparts während der Kontaktsperre einsingen, aber das ging auch gut, weil letztendlich nur der Produzent und ich vor Ort waren. Wir hatten ja den maximalen Abstand durch das Glas und haben auch sonst versucht, den Kontakt zu vermeiden. Die Stimmung war dann natürlich ein bisschen komisch, muss man schon sagen. Davor war die wesentlich cooler und hat mehr Bock gemacht, aber trotzdem; die gesamte Studio-Erfahrung war natürlich ultra lustig. Sobald du in dieser Aufnahmekabine bist wirst du irgendwie komplett gaga und alle fangen nur noch an Scheiße zu labern. Also es ist harte Arbeit, auf jeden Fall, man stellt sich das alles romantischer vor, aber irgendwie war das doch eine geile Zeit und wir hatten alle Spaß daran.

Das ist doch die Hauptsache. Wenn das alles zu ernst wäre, wäre es doch bestimmt auch anstrengender?

Jendrik: Ja, klar, auf jeden Fall. Du driftest auch ab. Dann hast du die Jungs die ganze Zeit um dich und ich sag mal unser Produzent läuft auch nicht zu 100% geradeaus (lachen) – ist lieb gemeint, wir lieben ihn über alles! – aber das ist halt wirklich so. Es entstehen in dieser kurzen Zeit so krass viele Running Gags und du bist eigentlich nur am lachen, aber, was Miron auch sagt, es ist echt harte Arbeit. Gerade wenn du da teilweise bis zu zwölf Stunden am Stück sitzt und Gitarre einspielst oder singst, was ja beim Singen auch irgendwann an die Stimmbänder geht, das ist schon hart. Also man freut sich immer auf die Studiozeit, ich hab ja schon ein paar Mal öfter ein bisschen was aufgenommen, aber man ist auch immer froh, wenn das durch ist, muss ich sagen. Es ist schöner, dann live zu spielen.

Miron: Ich finde auch, du kommst eigentlich da an und denkst du hast fertige Songs und musst die nur noch einspielen, aber irgendwie sind aus den Vorproduktionen dann doch nochmal ganz „andere“ Songs geworden, weil wir sie doch nochmal im Studio ein bisschen abgeändert haben. Und teilweise hast du’s dann aber ja so geübt, wie du es vorher gespielt hast und dann zweifelst du an deinen eigenen musikalischen Talenten, weil du dich so häufig verspielst und dir denkst „Das kann doch nicht sein, das muss doch jetzt mal klappen!“ und in Runde 16 hast du’s und dann bist du schweißgebadet und happy, dass du es endlich jetzt im Kasten hast.

Jendrik: Ja, das ist immer so. Das habe ich auch bei Gitarre und vor allen Dingen aber auch bei Gesang, weil dann kommst du auf einmal an Stellen, über die du dir noch nie Gedanken gemacht hast, wie du das aussprichst, oder wie lang du das ziehst an der Stelle. Du musst dann ja jedes einzelne Detail bedenken und du denkst manchmal wirklich so: „Vielleicht ist das doch nicht so die richtige Berufswahl gewesen.“ (lacht)

Miron: Augen auf bei der Berufswahl! (Beide lachen)

Jendrik: Aber es klappt alles und es klingt alles ganz toll. Also das was ich bisher gehört habe auf jeden Fall.

„unsere Bandgeschichte ist eigentlich ganz romantisch“

Der erste Song hört sich ja auch schon echt gut an! Was hat sich für Euch denn seit „2 Idiome – 1 Gedanke“ verändert?

Jendrik: Es hat sich ALLES geändert, wenn man ganz ehrlich ist! (lacht)

Miron: Ich finde unsere Bandgeschichte ist eigentlich ganz romantisch: Jendrik kannte Patrick und hat ihn quasi gefragt, ob er nicht Teil davon sein will. Patrick wiederum kannte mich und hat mich gefragt, wie es aussieht, ob ich nicht mit Jendrik und ihm zusammen spielen will. Und irgendwie haben wir es dann zu dritt kurz mal probiert, haben aber gemerkt: „Ok, so ne ganze Band mit Schlagzeug wäre schon geiler.“ Und ich kannte unseren Schlagzeuger Yannick und hab den dann mit in die Band gebracht, sodass jeder dann eine Person mit in die Band geholt hat. Aus dieser Idee des Live Mitspielens wurde dann ganz schnell die Idee des Bandgefüges und das Gefühl: „Ja, wir sind jetzt eine Band.“

Jendrik: Ja, und dann haben wir auch die Songs wirklich zusammen geschrieben und ausarrangiert und so weiter und sofort. Und um ganz kurz nochmal eine Rolle rückwärts zu machen; bei mir ging das wirklich so los: Ich habe in meinen alten Bands immer mal so nebenbei Songs aufgeschrieben und habe die dann aber zur Seite gelegt, teilweise auch vergessen, weil ich keine Möglichkeit hatte, die aufzunehmen. Dann kam 2016 bei mir eine ganz beschissene Zeit und ich hatte viel Zeit für mich. Die brauchte ich auch, und irgendwie musste ich das mit irgendwas kanalisieren. Da ist es dann dazu gekommen, dass ich mir zuhause ein kleines Studio eingerichtet habe, ganz simpel, und dann habe ich angefangen, diese Songs aufzunehmen. Dann ging das los und ich dachte mir so: „Hm, ok, das klingt ja jetzt irgendwie ganz cool, warum nicht eigentlich das richtig aufnehmen?“ So ist das erste Album tatsächlich entstanden, das habe ich 2017 aufgenommen, alles in Eigenregie. Die Drums kommen zu 90% aus der Dose, also programmiert auf dem Rechner, ein paar Fills habe ich selber eingespielt, Bassgitarren, Gesang, alles auf der ersten Platte alleine gemacht.

Dann ging es halt irgendwann los, dass die Leute gefragt haben: „Geil, willst du nicht mal bei uns spielen?“, und dann dachte ich so „Ja, kann ich machen, klingt dann alleine aber ein bisschen anders.“ Dann habe ich gleich nach dem ersten Auftritt, der zwar schön war, weil es halt irgendwie ganz was eigenes ist ganz alleine vor so einem Publikum zu stehen, gedacht: „Immerhin zwei Gitarren wären schon geil“ und dann fing es an, wie Miron gerade erzählt hat. Dann kam Patrick dazu, dann kam Miron dazu und dann war wirklich war ganz schnell klar: Scheiß drauf, scheiß auf mein Ego, jetzt machen wir wieder eine richtige Band und jetzt wird’s geil. So richtig Band, würde ich sagen, sind wir eigentlich tatsächlich erst seit einem Jahr jetzt, ca.

Was habt Ihr denn in dem Jahr bisher so erlebt? Ihr hattet ja schon einiges an Live-Shows.

Jendrik: Also wir haben wirklich letztes Jahr überraschend viele Gigs gespielt, teilweise zu zweit, also Patrick und ich, teilweise Patrick, Miron und ich. Wir haben letztes Jahr glaube ich zu viert drei Gigs gespielt und den Rest halt in den anderen Konstellationen. Es gab eine Show und zwar auf dem Heimat Festival in Scheeßel. Das hat letztes Jahr noch Bands aus der näheren Umgebung für die Akustik-Bühne gesucht, die total geil aufgebaut war und die immer in den Pausen von der großen Bühne bespielt wurde. Das war ein Wohnwagen mit einem riesigen alten Teppich drauf und alten Lampen und so, also richtig richtig cool gewesen. Da hatte ich mich relativ schnell drauf beworben, weil Miron mir den Link geschickt hatte. Die haben auch sehr schnell zugesagt und dann habe ich gesagt, dass wir zu dritt sind. Das waren denen ein bisschen zu viel, weil sie das so klein wie möglich halten wollten. Dann habe ich gesagt: „Ja gut, dann machen wir das zu zweit“, aber natürlich würden Miron und Yannick mitkommen, also… weniger geht nicht! (lacht)

Und dieser Abend ist so legendär, ich glaube da haben wir noch drei Tage später von geredet. Ich weiß noch, wir haben relativ früh gespielt, so 17/18.00 Uhr und danach hieß es: „Ok und jetzt genießen wir das Festival.“ Und das letzte, woran ich mich erinnere, ist wie wir brüllend in dem Auto von Mirons Freundin sitzen und richtig Mucke aufdrehen und nur noch abfeiern. Die Erinnerung davor ist, dass wir in irgendeiner Garage irgendwo in Scheeßel waren, diese Anlage übernommen und DJ gespielt haben, also Yannick und ich. Es war alles irre an diesem Abend, nur geil. Aber auch viele Kontakte geschlossen, zum Beispiel mit Liedfett oder der flotte Totte von Monsters Of Liedermaching, also alles an diesem Tag war einfach nur geil, es hat nur Spaß gemacht! Das war für mich letztes Jahr in Sachen Auftritte auf jeden Fall mein Highlight.

Miron: Mein persönliches Highlight aus der Band war in der Werkhalle in Twistringen. Die hatten uns gefragt – war auch das erste Mal, dass die das probiert haben – ob wir bei denen im Showroom nicht ein Wohnzimmerkonzert spielen wollen und ich fand die Umsetzung wie wir das gemacht haben richtig cool. Wir haben das dann auch wie ein Wohnzimmer aussehen lassen, also von wegen „hier Schuhe aus“ und haben dann da auch ein bisschen unsere Bandgeschichte erzählt. Das heißt Jendrik hat angefangen, dann kam Patrick dazu für ein zwei Songs, dann kam ich für ein zwei Songs und dann haben wir zu viert gespielt, halt mit einem minimalen Schlagzeug, Cajón und Snare hatte Yannick glaube ich dabei. Das Feeling war richtig cool, wir haben vor einem Kamin gespielt, das Ding war ausverkauft, also waren plus/minus 100 Leute vor Ort, es waren auf jeden Fall 80 Karten und eben Crew und Freunde und sowas. Auf jeden Fall hat das ultra Spaß gemacht, die Leute hatten Spaß und das war einfach von der Atmosphäre mega cool und passte auch in den November gut rein. Das war so das schönste Konzert aus dem letzten Jahr, finde ich. Die haben uns auch direkt danach wieder eingeladen, da werden wir uns bestimmt auch nochmal eine coole neue Aktion überlegen, wie man das da umsetzen kann, aber das war auf jeden Fall sehr cool. Da hat man auch gemerkt, dass es mega gut funktioniert als Band und dass wir da alle richtig Bock drauf haben.

Jendrik: Stimmt, das war auch richtig, richtig schön. Dieses Jahr machen wir das am 06. November, hoffentlich fällt das nicht ins Wasser. Gehen wir mal davon aus, dass die Corona-Zeit irgendwann auch wieder vorbei ist und dann spielen wir am 06.11. in der Werkhalle 51 in Twistringen.

„Wenn man sich dann auch noch Leute einlädt, die man selber total geil findet, ehrt uns das natürlich krass.“

Irgendwann ist es bestimmt vorbei. Ihr habt ja vorhin Kontakte angesprochen – Ihr habt ja auch bei einem Song Wido von Rantanplan dabei.

Jendrik: Genau, Wido von Rantanplan spielt ein paar Bläser auf zwei Songs, nee, auf drei Songs sogar. Es war eigentlich nur geplant in dem einen Song, da ist so eine ganz markante Bläserlinie drauf und da haben wir gedacht bevor das vom Band kommt, spielen wir das lieber ein. Dann hatte unser Produzent die Connection zu Rantanplan und der hat dann Wido gefragt. Da ist das dann entstanden. Auf der ersten Single sind auch im Hintergrund Bläser, das hört man im zweiten Refrain, und bei zwei anderen Songs. Aber das kam nicht durch das Heimatfestival, das kam tatsächlich durch unseren Produzenten.

Also kennt Ihr einfach über Ecken eine Menge Leute?

Jendrik: Ja, das ist auch ein bisschen über die Vergangenheit so. Man macht ja seine Erfahrungen und lernt Leute kennen oder spielt mit denen zusammen und dann versteht man sich besser und dann entstehen da Projekte draus. Aber ja, das ist geil. Also diese ganzen gesammelten Erfahrungen – wir sind ja jetzt auch so Pi mal Daumen 30 / um die 30, und da hat man schon so aus früheren Bands auch mit Produzenten und so zu tun gehabt und klar, das lebt man ja aus. Wenn man sich dann auch noch Leute einlädt, die man selber total geil findet, wie zum Beispiel Rantanplan, ehrt uns das natürlich krass.

Das sind ja auch wirklich coole Gäste.

Miron: Wir haben das auch ziemlich gefeiert, als wir die Bestätigung bekommen haben, dass die das machen. Es ist halt auch eine super Ehre, weil du denkst, du bist so der kleine Mann und dann kommt da auf einmal so Rantanplan – da fühlt man sich schon mächtig geehrt. Und wenn man dann noch positives Feedback bekommt zu dem, wo die mal reingehört haben, da freut man sich natürlich um so mehr.

Jendrik: Richtig, weil das ist ja auch immer so: Man schickt denen das und fragt „Habt ihr Bock?“ und wenn die dann gleich sagen „Ey, das ist ja richtig derbe!“ dann freut man sich halt krass, genau das, was Miron sagt.

Wo wir gerade bei Bands sind, die man auch selber feiert: Gibt es Bands, die Euch geprägt haben musikalisch oder textlich?

Jendrik: Sich Vorbilder und Idole zu setzen – liegt natürlich in der Natur des Punk das nicht zu tun. Aber natürlich haben mich Die Ärzte und insbesondere Farin Urlaub krass geprägt. Ich finde wie Farin Urlaub Themen in Texte verpackt und das auf so einer Metaebene, dass er sich dabei teilweise selber nicht ernst nimmt, dann aber wiederum sehr ins Ernste driften kann, das hat mich schon sehr geprägt. Und ich glaube auch, dass wie er Songs schreibt mich schon sehr beeinflusst hat. Die Richtung definitiv und alles was daraus ja irgendwie den Ursprung hat. Halt dieses deutsche, sehr melodische und irgendwie schon mit nem Witz Sachen erzählen, auch wenn es Texte sind, die einem vielleicht am Herzen liegen. Zum Beispiel haben wir einen Song, der noch rauskommt, da ist zwar alles super witzig und der ist halt so mehr auf Reggae und alles total happy und fröhlich und klingt nach Sommer, Sonne, Sonnenschein – ist aber halt im Kern einfach wirklich eine Botschaft, die ich vermitteln will.

„ich glaube die Ärzte prägen noch einige Generationen.“

Miron: Ich glaube meine ersten musikalischen Berührungen waren Green Day, Red Hot Chili Peppers, die dann in der Jugend ganz viel bei mir gelaufen sind und auch Einfluss auf das hatten, was ich jetzt so höre. Natürlich hat sich mein musikalischer Stil immer mal wieder ein bisschen gewandelt. Aber ich glaube so das, warum ich Teil dieser Band bin, sind auch für mich mehr oder weniger Die Ärzte. Die haben meine gesamte Jungend begleitet und tun das jetzt immer noch. Ich fand dann natürlich Jendriks erstes Album auch sehr ansprechend, weil er dort auch viele Themen anspricht, teilweise lustig, teilweise aber auch clever verpackt wo man vielleicht erst zwei, drei mal hinhören muss, um zu verstehen, was er eigentlich vermitteln will. Und jetzt bei den neuen Songs, beim Songwriting, hat man auch gemerkt: „Ey, das ist richtig geil, was wir da machen“, da steht man natürlich voll und ganz hinter und man konnte auch noch viel Einfluss nehmen und auch da sind es halt ernste Themen, versucht lustig zu verpacken aber auch nicht so, dass man es irgendwie ins Lächerliche zieht. Also ich sehe da schon gewisse Parallelen, ja, aber wir haben schon unseren eigenen Stil. Auch wenn man natürlich merkt, dass ein Großteil mit dieser Band großgeworden ist. Ich meine, die Ärzte prägen ja jetzt noch die Kinder, ich glaube die Ärzte prägen auch noch einige Generationen. (lacht)

Auf dem ersten Album hören sich ja einige Songs auch wie kleine Kurzgeschichten an. Wie ist das entstanden? Sind das einfach Geschichten, die einem in den Sinn kommen? Oder sind das persönliche Erfahrungen oder Ideen oder Sachen, die man thematisch auch einfach ein bisschen erkunden möchte?

Jendrik: Also wenn wir textlich einmal anfangen wollen würde ich sagen, ist es so ein schmaler Grat zwischen autobiographisch und „ich dichte mir was dazu“. Wie viel davon autobiographisch ist möchte ich einfach mal offen lassen, ich möchte es grundsätzlich so offen lassen, dass da jeder für sich noch etwas reininterpretieren kann. Manchmal sind es auch einfach Gefühle und Geschichten, die mir jemand erzählt und ich versuche diesen Eindruck aufzusaugen und das dann irgendwie wieder in Worte zu verpacken. Dass da auf dem ersten Album, gerade weil das eben eine sehr beschissene Zeit war, sehr viel autobiographisch ist, habe ich schon ein paar mal erzählt und das ist definitiv so. Also ich sag mal alles, was sich ein bisschen nach Herzschmerz oder nach Neuanfang anhört ist definitiv total autobiographisch. Andere Sachen, zum Beispiel „Deine Kür“ haben ja eher eine versteckte Botschaft, das ist einfach nur eine Idee die ich mal hatte, die ich lustig fand und ich dachte, wenn man das irgendwie charmant verpacken kann, dann ist das witzig.

Miron: Ist auch immer noch mein Lieblingssong der ersten Platte! (lachen)

Jendrik: Sehr geil! Aber ja, so ist es textlich und so ist es auch bei den neuen Songs. Da habe ich auch ein bisschen versucht zu gucken „Was beschäftigt mich?“ und „Kann ich das irgendwie in Situationen reindrücken?“. Das ist mir finde ich auch ganz gut gelungen, oder es hat auf jeden Fall geklappt, so wie ich mir das vorgestellt habe. Ob das jetzt gut gelungen ist, das muss jemand anders entscheiden. Musikalisch ist das eher so, dass Ideen aus allen Richtungen kommen, zur Zeit noch relativ viel von mir – das sind dann aber teilweise wirklich nur Fragmente. So, dass ich zum Beispiel frage: „Wie findet ihr diesen Gitarrenriff?“ und dann sagen die anderen: „Ja cool, können wir doch so und so machen“. Oder ich habe vielleicht schon mal so eine Strophe bis Refrain zuhause zusammengebastelt und daraus entsteht dann im Endeffekt ein ganz anderer Song, weil auf einmal noch drei Köpfe dazu kommen und sagen: „Ja, aber ich stell mir das ganz anders vor“ und das ist auch gut so, weil genau so entsteht ein Song und so hat der auch viel Raum zum wachsen, finde ich. Und ich denke, dass das auch noch mehr werden wird. Man merkt halt, dass dadurch, dass wir erst seit einem Jahr eine Band sind, wie wir Songs schreiben immer noch voll im Entstehungsprozess ist. Ich finde, für die neuen Songs war das jetzt ein guter Mix aus „Jendrick hat so ein bisschen getüftelt“ und „wir machen das jetzt aber zu Ende als Band“. Das hat ganz gut funktioniert.

Miron: Ja, genau. Ich finde man merkt schon den musikalischen Einfluss von uns anderen drei. Wie Jendrik eben schon gesagt hat, jeder bringt halt irgendwie seine Parts da mit rein. Häufig wurden die Ideen auch komplett aufgeräumt und aus dem ursprünglichen Konzept ist dann was ganz anderes entstanden. Auch bei Texten; natürlich hat Jendrik die größtenteils geschrieben, aber wir haben letztendlich alle mitgewirkt. Seien es dann nur Kleinigkeiten, aber wir waren alle Teil des gesamten Konstrukts, sowohl musikalisch als auch textlich. Klar, es ist halt immer noch ein hoher Anteil von Jendriks Gedankengut, aber es klingt jetzt auch ganz stark nach einer Band.

Jendrik: Voll, da gehe ich total mit! Es gibt ja sogar einen Song – ich weiß nicht, ob du bei der Probe dabei warst – da hatte ich einen Song geschrieben, den ich komplett verworfen habe und daraus ist mir in Sachen Texte wahrscheinlich das Beste gelungen, was ich jemals geschrieben habe. Einfach weil die Jungs gesagt haben: „Das passt irgendwie nicht. Es ist zwar gut, aber es passt nicht zu diesem Song.“ und das habe ich dann auch angenommen. Ich glaube jeder, der Lieder schreibt hat ja auch ein gewisses Ego und auch so ein bisschen Narzissmus in sich schlummern. Man ist im ersten Moment immer irgendwie so ein bisschen gekränkt, aber es führt immer zu etwas Gutem.

Es ist ja auch sicherlich spannend, wenn man vier verschiedene Perspektiven vereinen kann, da ergänzt Ihr Euch bestimmt.

Jendrik: Absolut. Es gibt teilweise wirklich ganze Sätze, wo ich sage: „Jungs, irgendwie bin ich unzufrieden mit dem Satz“ und dann kommen ganz neue Zeilen von Miron, Yannick und Patrick, wo ich sage: „Ja, das ist es!“ und daraus entsteht dann die nächste Idee. Also man merkt schon, dass wir zwar noch in der Findungsphase sind, wie das alles funktioniert oder wie wir das in Zukunft machen, aber ich denke mal, dass das auch immer so sein wird. Ich glaube man wächst als Band immer zusammen und auf einmal gibt es ganz andere Konstellationen, die anfangen zusammen Songs zu schreiben oder Texte zu dichten. Aber ich finde es geil. Das muss sich ja auch entwickeln, sonst wird’s ja langweilig.

„es gibt eine Zeit nach der Krise.“

Auf jeden Fall. Stillstand ist ja selten gut. Um langsam zum Schluss zu kommen: Könnt Ihr den neuen Song „Ich nehm‘ Dich mit“ in drei Worten beschreiben? Also, jeder für sich.

Miron: Gerade jetzt würde ich sagen: Aufmunternd, erfrischend und glücklich. Also… ist ja eine Emotion, ne?

Jendrik: Müssen es Emotionen sein?

Nein, es kann alles sein.

Miron: Dann sind das meine drei.

Jendrik: Ich gehe mit, ich würde sagen, positiv, fast ein bisschen „typisch VON GRAMBUSCH“, aber es ist halt nicht ein Wort, aber es passt zu uns. Und er vermittelt, es gibt eine Zeit nach der Krise. Aufmunternd ist wahrscheinlich das beste Wort dafür, aber das sagtest du schon gerade, Miron. Aber es passt halt so. Weil irgendwann können wir alle wieder reisen und dann gehen wir alle zusammen und wir nehmen Euch alle mit!

Gibt es noch etwas, was Ihr sagen möchtet oder was Euch wichtig ist?

Miron: Also, bei mir auf jeden Fall die Vorfreude auf das, was jetzt in den kommenden Monaten passiert. Weil es immer ein Traum von mir war, eigene Musik rauszubringen, mit hoher Qualität sage ich mal, also nicht im Keller eines Freundes aufgenommen, sondern dieses Studio-Feeling mitzunehmen und einfach zu gucken, wie es bei den Leuten ankommt. Und dass man sowas jetzt geschaffen hat und das jetzt mit der Welt teilen kann, darauf freue ich mich einfach.

Jendrik: Da kann ich tatsächlich nur mitgehen. Ich freue mich darüber, dass wir ein interessantes Konzept gefunden haben in dieser „neuen Zeit“ wo Spotify regiert, dass wir jetzt wirklich fast jeden Monat kontinuierlich Musik rausbringen, dass das alles irgendwann Richtung Oktober in ein Album mündet und dass das einfach alles super geil geworden ist und dass ich jetzt schon merke auf die ersten Reaktionen, dass die Leute das geil finden. Ich hoffe einfach, dass das gut ankommt und dass wir da vor allen Dingen ganz ganz viel live mit spielen werden, da habe ich nämlich richtig Bock drauf.

Video: VON GRAMBUSCH – Ich nehm‘ Dich mit

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