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Fährmannsfest Hannover, der Freitag

Foto: Maria Graul

Das Fährmannsfest ist eine Institution in Hannover und findet bereits seit 1983 auf der Wiese zwischen Ihme und Leine in Linden statt. Wie jedes Jahr war es auch diesmal wieder Ende Juli/Anfang August so weit. Am 31. Juli standen Bands wie H-Blockx, Lagwagon, Good Riddance, Akne Kid Joe, Lüt und Team Scheisse auf der Bühne am Leineufer. Samstag, den 1. August folgten dann noch Betontod, Rantanplan, Der Butterwegge, Alarmsignal, The Meffs und Kettenfett. Bei bestem Wetter sind so diverse Abrisse vorprogrammiert. Wie Tag 1 angekommen ist, lest ihr hier.

Schmetterling und Seifenblasen

Am Freitag um 16:30 Uhr geht es los. Zu der Zeit stehen draußen lange Schlangen an Eingängen, auch an den Bierständen staut es sich und vor der Bühne fühlt es sich an, als wäre der Headliner an der Reihe. Dabei sind es Team Scheisse, die das diesjährige Fährmannsfest eröffnen. Erst kurzfristig auf das Billing aufgesprungen, erweisen sich die Bremer als absoluter Glücksgriff für die Veranstalter. Denn so viele Besucher sind an einem Freitag, um diese Zeit, eher nicht zu erwarten. Die Band wird auch von Beginn an abgefeiert, denn sie hat sich zu einem echten Großkaliber in Sachen eingängigem Deutschpunk entwickelt. Songs wie „Karstadtdetektiv“, „Gucci“ oder „Mittelfinger“ scheinen aber auch in Hannover einen Nerv zu treffen und so punktet die Band um Sänger Timo auch so früh schon auf ganzer Linie. Da auf dem Fährmannsfest auch bunte Seifenblasenspender verkauft werden, steigen auch bei Team Scheisse immer wieder Seifenblasen passend zu Musik gen Himmel, was die Band erfreut. Zum Abschluss folgt dann noch „Schmetterling“, was den guten Start ins Fährmannsfest nach knapp 40 Minuten Spielzeit abrundet.

Heia Norge

Nun sind die Lüt an der Reihe. Die Norweger nutzen das bereits gut besuchte Festivalgelände zu ihrem Vorteil und gewinnen schnell neue Freunde hinzu. Vor der Bühne ist ordentlich Betrieb und so folgt schon bald unter Anfeuerung der Band der erste Stagediver. Ansonsten sind die Ansagen rar gesät. Lüt haben nicht viel Zeit und lassen daher ihren Rock`N Roll, mit leichten Punk- und Indieanleihen sprechen, der u.a. an Bands wie Gluecifer erinnert und in norwegischer Landessprache vorgetragen wird. Zur Setlist gehören Songs wie „Smil&Vink“ oder „Opp Ned“. Nach 30 Minuten ist die gute Show dann ein wenig abrupt und ohne Verabschiedung vorbei. Lüt wussten durchaus zu gefallen, der etwas merkwürdige Abgang hinterlässt aber ein kleines Geschmäckle.

Hits – schnell und kurzweilig

Dritte Band an diesem Tag sind Akne Kid Joe. Das Quartett überzeugt mit ihrer Mischung aus schnellem Deutschpunk, politischen und ironischen Texten sowie witzigen Ansagen. Zum Start gibt es u.a. „Hej Daniel“, „Ein Morgen ohne Deutschland“ und „Steppenwolf“ zu hören. Dann merken Gitarristin Sarah und Sänger/Gitarrist Matthias, dass sie viel zu schnell spielen. „Dann spielen wir unser Set eben gleich noch einmal“, witzelt Sarah zur Freude der Besucher. Im Endeffekt konzentriert man sich auf die „Best-Of-Hits, wie Sarah noch anmerkt, wozu u.a. auch noch „What AFD Thinks We Do“ zählt. Die Stimmung ist gut und vor der Bühne wird viel getanzt. Nach 30 Minuten ist die Show dann aber auch schon vorbei. Kurz, aber gut.

Was heißt Brücke auf Deutsch?

Und dann sind Good Riddance an der Reihe und irgendwie hat man den Eindruck, die meisten der Anwesenden haben nur auf Good Riddance und Lagwagon gewartet. So wird auch das Infield nach kurzem Anlauf direkt in ein Pogofeld umgewandelt. Russ Rankin und Co versprühen auch von Beginn an Spielfreude und haben sichtlich Bock. Musikalisch startet es u.a. mit „Yesterdays Headlines“, später folgen „Weight Of The World“, „In Pieces“ vom neuen Album „Before The World Caves In“ oder „Heresy, Hypocrisy and Revenge”. Hit folgt an Hit, die Crowd vor der Bühne wächst und schon bald gibt es einen Circlepit nach dem anderen.

Foto: Maria Graul

Zwischendurch fragt Bassist Chuck ob man ihn hinten auf der Brücke auch hören kann, worauf eine wilde Diskussion startet, wie das deutsche Wort für Bridge lautet…spanisch wäre ja bekannt. Hannover hilft schnell aus und so wird nun schnell ein wenig „Brücke“ geübt. Weiter geht es, bei bestem Wetter und immer besserer Stimmung sowie Liedern wie „Shadows in Defeat“ oder „Pisces/Almost Home“. Zwischendurch wird dann auch noch etwas Metal und insbesondere Anthrax angestimmt, dann folgt mit „Mother Superior“ nach gut 40 Minuten auch schon der viel zu frühe Schlusspunkt. Das war Klasse und hat richtig Spaß gemacht.

Müde Partymacher

Direkt im Anschluss geht es auch schon mit dem nächsten Schwergewicht des kalifornischen Skatepunks weiter. Lagwagon sind an der Reihe. Und direkt zum Auftakt gibt es mit „Violins“ den ersten großen Hit zum Aufwärmen. Soundtechnisch ist das Ganze etwas ausbaufähig, der guten Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Es folgen auch hier Hits am Fließband, wie z.B. „Alien 8“, „Making Friends“ oder „Angry Days“. Auch hier kennen die Circlepits kaum noch Grenzen. Die Band wirkt durchaus agil und hat einen guten Tag erwischt. Und das obwohl dies erst der dritte Tag der Tour ist. „Wir sind unglaublich müde und gehen gleich schlafen“, bestätigt dann auch Sänger Joey Cape. Dem Publikum ist das egal und feiert die Band aus Santa Barbara dennoch ordentlich ab. Mit „Mr. Coffee“ neigt sich die Show dann dem Ende entgegen. Als Zugaben folgen noch u.a. „Surviving California“ oder „May 16“ als letzter Akt, nach gut 55 Minuten ist Schluss. Gute Performance, die trotz Müdigkeit Spaß gemacht hat.

90 Minuten echte Gefühle

Und dann sorgen H-Blockx für den krönenden Abschluss dieses starken ersten Tages. Die Band um Sänger Hnening Wehland hat sich dieses Jahr mit ihrem neuen Album „Fillin The Blank“ zurückgemeldet. Der Sound ist gut und von Beginn an wechseln sich Hits und neue Songs ab. Gestartet werden diese 90 Minuten und nur echte Gefühle mit „Straight Outta Nowhere“, „How Do You Feel“ oder „Can´t Get Enough“. Dann folgt auch bald schon „Move“.

Die Stimmung ist prächtig, die Band aus Münster kann wirklich überzeugen. Henning findet dann auch, dass die Hannoveraner toll aussehen und dass es „geil ist hier zu sein.“ Zwar wirkt der Crossover der Band manchmal ein wenig wie aus der Zeit gefallen, dennoch sorgt die Hitdichte für eine große Party. Dabei hat Henning schwere Zeiten durchgemacht und mit Alkoholsucht zu kämpfen gehabt, wie er zwischendurch verrät. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich mir mit Schnaps die Zähne geputzt habe. Nun bin ich aber seit 5 Jahren trocken. Und Einsamkeit ist das Ergebnis“. Das sei aber scheiß egal, wenn man mit sich selber im Reinen sei. Nun sind H-Blockx also zurück und das mit voller Wucht, was „“Rising High“, das sehr starke „Little Girl“ oder die Snap-Coverversion „Power“ belegen. Den Schlusspunkt setzt dann das Johnny Cash Cover „Ring Of Fire“ und das Publikum singt lauthals mit und immer weiter, auch als das Konzert schon vorbei ist. Was für eine überraschend starke Show. Was für ein erster Tag des Fährmannsfest vor mehr als 4.000 Besuchern. Das war großartig und kann und wird sicher so weitergehen.