Timos musikalischer Jahresrückblick

Wie? Schon wieder ein Jahr vorbei? Gefühlt habe ich doch gerade erst meine Lieblingsplatten und Konzerthighlights 2017 rausgehauen. Doch auch 2018 gab es wieder eine Menge musikalische Highlights. Ich präsentiere: meine Lieblingsalben und Lieblingsshows 2018.

„Genießt die Feiertage und kommt gut ins neue Jahr.“

Meine fünf Lieblingsalben 2018

Fu Manchu – Clone Of The Universe
Keine Band habe ich dieses Jahr so intensiv gehört wie Fu Manchu. Mit „Clone of the Universe“ haben die – ich nenne sie mal – Altstoner um Frontmann Scott Hill bewiesen, dass sie ein vielfältiges Album mit neuen Nuancen aufnehmen können, ohne dabei den klassischen Fu Manchu-Wa-Wa-Sound zu vernachlässigen. Die perfekte Platte für den Trip auf dem Highway: Fenster runter, Gaspedal durchtreten und mit Knallern, wie beispielsweise dem 18-Minüter „Il Mostro Atomico“ über den Asphalt.

The Turbo A.C.’s – Radiation
Mein Urlaubsalbum 2018! „Radiation“ klingt nach dem Morgen nach einer durchzechten Nacht am Strand. Vielleicht gar nicht so abwegig, da Sänger Kevin Cole vor geraumer Zeit nach Puerto Rico ausgewandert ist. Wenn ich beim Surfen Vinyl hören könnte, wären die Turbo A.C.’s mit ihrem neuen Album auch in den Wellen auf meinem Plattenteller. Richtig gute Pop-Surf-Punk-Nummern, die durch die dahingerotzte, blecherne Produktion erst richtig an Charme gewinnen. „Radiation“ klingt wie die Beach Boys als dreckige Punks und das ist gut!

Terror – Total Retaliation
Ich muss ja gestehen, dass Terror für mich lange Zeit nur eine von vielen Hardcore-Bands waren. Doch mein guter Freund Markus, der meinen Musikgeschmack kennt wie kein zweiter, meinte zu mir: „Hör dir mal ‚Total Retaliation‘ von Terror an.“ Das habe ich gemacht und ich bin begeistert. Das Album zeigt wie vielseitig Hardcore sein kann und hat trotzdem einen musikalischen roten Faden. Mein CYB-Kollege Chris (Jahresrückblick) und ich sind uns einig. Die Platte ist super, wie ihr auch im Review lesen könnt.

NOFX – Live In A Dive Ribbed
Fat Wreck Chords’ Liveserie „Live in a Dive“ ist zurück. Das Besondere ist, dass die Liveauftritte ungeschnitten auf Platte kommen und somit – zumindest bei Fat Wreck Bands und besonders bei NOFX – ihren ganz eigenen Charme entwickeln. Ein weiteres Schmankerl: NOFX spielen ihren Klassiker „Ribbed“ von A bis Z und dass obwohl die Band im Laufe des Auftritts nicht müde wird zu betonen, wie schlecht sie einige Songs bzw. das gesamte Album finden. Unterhaltung pur! Maria (Jahresrückblick) fand die Platte in ihrem Review auch hervorragend. Vielleicht sollten wir die Scheibe nochmmal zusammen hören!

Sick Of It All – Wake the Sleeping Dragon!
Ich könnte mich kurz fassen und sagen: Bei Sick of it All ist alles beim Alten. Bei den Urgesteinen des New York Hardcores weiß man, was man bekommt. Hardcore mit energiegeladenem Sound und Texten, die den Mythos N.Y.H.C. am Leben halten, ohne dabei zu sehr nach Plattitüde zu klingen. Das muss eine Band erst mal schaffen und dann auch noch mit dem inzwischen zwölften (!) Album. Hier geht es zu unserem Review.

Meine fünf Lieblingsshows 2018

Frenzal Rhomb und The Photsans im Cassiopeia in Berlin

Das australische Chaos-Quartett ist selten in Europa anzutreffen. Das mag nicht nur an der Entfernung zu ihrer Heimat liegen, sondern auch daran, dass die Frenzals häufig mit schweren Verletzungen und Krankheiten kämpfen. Sänger Jay wurde vor einiger Zeit durch einen Bandwurm in seinem Gehirn außer Gefecht gesetzt und Drummer Gordy hat sich beim Stage-Dive-Versuch so ziemlich alle Knochen im Oberkörper gebrochen. Doch Frenzal Rhomb (und ihre Knochen) sind nicht kleinzukriegen und liefern auf der Bühne eine unterhaltsame Show.

Die vier Aussies präsentieren astreinen Skatepunk in musikalisch hoher Livequalität. Das Drumherum ist ziemlich spontan und ein wenig wie NOFX – nur in trashig. Die Jungs aus Down-Under haben anscheinend einen Bildungsauftrag: Bei welcher Show lernt man ansonsten, dass „Shelving Stacks“ das rektale Einführen von synthetischen Drogen beschreibt. Lachkrämpfe gepaart mit guter Musik: Was für ein weltklasse Ausflug nach Berlin mit meinem Freund und Radiokollegen Flo. Schön war’s. Wer Bock auf das Interview hat, kann sich die Wasted Fridays Radioshow mit Frenzal Rhomb anhören.

The Lillingtons, Ray Rocket und Make War im Lux in Hannover

The Lillingtons sind das allererste Mal im Lux und es wird – obwohl es Montag ist – richtig voll. Im schummrigen Bühnenlicht mit Räucherstäbchenduft präsentieren die Lillingtons um Kody Templeman – der übrigens auch bei Teenage Bottlerocket die Saiten zupft – ihre aktuelle Platte „Stella Sapiente“. Es wird nicht lange gequatscht. Die Band spielt sich lieber quer durch ihre Diskographie. Obwohl der Sound vom aktuellen Album stärkere New Wave und Metal-Einflüsse als die alten Scheiben besitzt, passt live alles gut zusammen. Ich war seit Ewigkeiten mal wieder mitten im Pit und das mit Brille! Also, es muss eine gute Show gewesen sein.
Hier geht‘s zu meinem Review. Auch The Lillingtons hatten wir bei Wasted Fridays – hört mal rein.

Still Cold BBQ im Kulturzentrum Faust in Hannover

Sommer, Sonne, Sonntag. Im August haben die Still Cold Shows eine Barbecue-Show auf dem Faustgelände in Hannover veranstaltet. In der 60er Jahre Halle Konzerte, draußen Pool, Gegrilltes und Merchandise, sodass es zwischen den Acts Zeit für eine Abkühlung oder einen Plausch mit Freunden ist. Die perfekte Mischung aus Hardcore und frischer Sommerluft macht richtig Laune und das Gefühl der legendären Sunday Matinees ist auf dem Faustgelände zum Greifen nah. Die Liveacts spielen allesamt gute, bis sehr gute Shows. Wer mehr über die Hardcore-Grillparty wissen möchte, sollte sich mein Review anschauen. Ich hoffe, dass die Still Cold Shows auch 2019 diesen Sonntagsspaß wiederholen!

Fu Manchu und Paceshifters in der Markthalle in Hamburg

Wer bis hier gelesen hat, weiß bereits, dass „Clone of the Universe“, zu meinen Lieblingsscheiben aus 2018 gehört und so liegt es nah, dass ich mir Fu Manchu auch live gegönnt habe. Kurzerhand ging’s im Alleingang in die Markthalle nach Hamburg, um in der Hansestadt ein energiegeladenes Best-Of aus der Diskographie der Kalifornier zu erleben. Nach eigener Aussage sieht sich Sänger Scott Hill nicht als guter Frontman, da er einfach nicht weiß, was er auf der Bühne sagen soll. Das macht aber nichts.

Fu Manchu beschränken sich auf kurze Songansagen und lassen lieber ihren groovigen Wa-Wa-Sound für sich sprechen. Publikum und Band sind im Headbanging vereint und feiern sowohl Klassiker wie Weird Beard oder Evil Eye als auch die neue Platte „Clone of the Universe“. Vor der Zugabe wird sogar das komplette Epos „Il Mostro Atomico“ gespielt. Danach erfüllt die Band noch ein paar Songwünsche aus dem Publikum. Mein Fazit: Wa-Wa-Wahnsinn.

Listener im Béi Chéz Heinz

Es braucht nicht immer viele Besucher, damit ein Konzert in Erinnerung bleibt: Obwohl Listener vor maximal 50 Zuschauern im Heinz auftreten, liefern die Jungs um Dan Smith eine atemberaubende Performance ab. Atemberaubend in doppelter Hinsicht: Listener machen irgendwas zwischen Spoken Word mit Rap-Einflüssen, Poetry und Post-Punk – und das ist wortgewaltig. Es ist bewundernswert wie Smith seine umfangreichen Texte wie ein Theaterstück vorträgt. Seine drei Bandkollegen liefern dabei die perfekte musikalische Untermalung. Wer mehr über diesen außergewöhnlich guten Abend wissen möchte, sollte in mein Review schauen.

Worauf ich mich 2019 am meisten freue

Um mich kurz zu fassen, beschränke ich mich an dieser Stelle auf meine musikalischen Vorfreunden:

  • Millencolin bringen ein neues Album raus! Die Schweden waren mein Skatepunk-Einstieg und sind seitdem mein stets treuer musikalischer Begleiter. Von daher ist es klar, dass ich die neue Scheibe „SOS“ bereits vorbestellt habe .
  • In Sachen Live-Shows freue ich mich besonders auf
    • das grandiose Punk in Drublic (unter anderem mit NOFX, Lagwagon und Bad Religion) auf der Faustwiese in Hannover
    • und auf die Abschiedstour von „The hottest band in the world“: KISS.

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei Hanna und Maria für ihren Einsatz beim Count Your Bruises Magazine und ihre Geduld mit mir bedanken. Ein großes Dankeschön geht selbstverständlich auch an alle Unterstützer raus. Genießt die Feiertage und kommt gut ins neue Jahr.

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